Sandbagging, Pussyfication und Weiteres…

Sandbagging, Pussyfication und Weiteres…

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Purebred Goods

Daniel Brauchle ist als Veranstalter der „Babenhauser Grappling Challenge“, Wettkämpfer und Pressesprecher von ADCC Germany in ganz Deutschland bekannt. Gestern hat der gebürtige Babenhausener mit einem Facebook Post für etliches Aufsehen gesorgt. Wir finden seine Punkte, die er hier anspricht, für alle interessant und dürfen nach Rücksprache mit ihm diesen Post nun auch hier auf Kakutogi veröffentlichen. Wer seine Meinung zu diesem Post äußern möchte, kann dies gerne im originalen Facebook Post tun.

„So, das wird nun ein längerer Text. Ausnahmsweise mal nicht über Gott und die Welt, stattdessen viel mehr um Grappling und ein negativer Trend, der sich meiner Meinung in den letzten Jahren entwickelt hat. Die Kernthemen, die mich stören, sind die Verweichlichung des Sportes, das Sandbagging und fragwürdige Mentalitäten. Wie die meisten wissen veranstalte ich jedes Jahr die BGC, mehr oder weniger erfolgreich, und bin aktiver Wettkämpfer mit über 100 Turnieren. Mittlerweile bin ich auch wieder Trainer, mach den Sport seit knappen 8 Jahren und denke, dass ich etwas Ahnung von der Thematik habe.

Trainiere im German Top Team

Ein Punkt der mich in letzter Zeit immer häufiger stört ist das sogenannte Sandbagging, d.h., dass Leute mit 5 Jahren Grapplingerfahrung – vielleicht sogar schon einem MMA-Kampf – bei Beginnern starten. Ich meine: „warum?“ Habt ihr so ein geringes Ego, dass ihr wirklich bei einer Klasse startet, die für die gedacht ist, die gerade angefangen haben und einfach Lust haben mal in ein Turnier reinzuschnuppern um dann von einem 5-Jahre White Belt komplett zerstückelt zu werden? Wir alle – und auch wenn es niemand gerne zugibt – haben ein Ego-Problem. Tapped mich zum Beispiel ein White Belt, oder ein Ringer, frag ich mich auch häufig, was hab ich in den 8 Jahren falsch gemacht? Jetzt kommt natürlich mein „Lieblings-BJJ-Spruch“: You don’t lose in jiu-jitsu, you either win or learn“. Dazu möchte ich aber später nochmal kommen. Kurz gesagt, ich bin auch angepisst, tapped mich auf nem Wettkampf n Typ der gerade n Monat lila ist, bin ich auch angepisst, aber nach ner Nacht, oder zwei der tiefen Depression, ist das auch wieder gegessen, weil, der nächste Wettkampf steht an, und nur auf dem Boden zu liegen macht es auch nicht besser.

Aber zu eigentlichen Sache: wenn du drei Jahre Bodenkampferfahrung, mit 2 mal pro Woche Training, solltest du dich dann noch Beginner machen, tut mir Leid, bist du n Lappen. Gleiches gilt für mich übrigens auch für die Definition von White Belts.  Ich würde immer, was ich auch tu, höher kämpfen. Allein dafür, um mich mit Besseren messen zu können, schauen wo meine Grenzen sind, das würde ich tun. Aber ich bin auch etwas komisch. Die Problematik besteht allerdings hier bei der IBJJF, hier kann man leider, meines Wissens, nie in einer höheren Klasse starten, ganz ehrlich, sich selbst einfach nen blauen Gurt umzubinden, is auch nicht gerade „ehrenvoll“. Aber egal, ist eben Sache der Trainer, jeder darf das machen was er meint. Ich hab auf jeden Fall, diejenigen, welche sich bei  der BGC als Beginner angemeldet haben und bereits 2013 auf nem ADCC Event waren, frecherweise bei Advanced eingetragen. I’m sooo evil. Das alles ist für mich aber auch ein Zeichen der generellen Verweichlichungen im Sport. Frag ich die Leute, ob sie auf mein Turnier kommen, finde ich eigentlich nur drei Ausreden plausibel:
a) ist zu weit weg, Babenhausen is nunmal nicht München, ok.
b) bin verletzt (worauf ich auch nochmal kommen werde)
c) hab keine Zeit (Hochzeit, Kind, Beschneidung, anderes Turnier, als ob 😀 :D)
Die Frage ist was für eine Verletzung! Ich kämpfe eigentlich immer, auch wenn ich verletzt bin – und jetzt kommt der Clou: ich bin seit 2 Jahren dauerverletzt! Ich hab sogar nach 2 Monaten mit Pfeifferschem Drüsenfieber nen Wettkampf gemacht. Ich hab verloren, die Entscheidung war nicht die Beste, aber der Hauptpunkt ist: Kämpfer kämpfen! Ich mache diesen Sport nicht, um nicht zu kämpfen! Es ist ein KAMPFSPORT, keine Kampfkunst. Will ich fit werden, mach ich Crossfit. Will ich unbedingt inneren Einklang, fange ich Tai Chi an. Selbstverteidigung, ok, lass ich gelten, aber tief drin, wenn ich mit Kampfsport anfange, will ich kämpfen. Davon wird mich auch keine Verletzung abhalten, bis auf größere Dinge „wie Kreuzbandriss“ (by the way, das ist die „Modeverletzung“ in der Saison ´15/16) oder Bandscheibenvorfall, oder Dinge in der Größenordnung, aber nicht, wenn ich mir meine Fingerchen weh tun. Ich lass bewusst Krankheit außen vor, weil, sobald man Grippe hat, oder irgendwas ansteckendes, sollte man es einfach sein lassen. Diese Leute leiden aber dann eigentlich auch nicht an der Verweichlichung :D.

Aber hier kommen wieder Sätze, „ich kann nicht kämpfen“, „bin untrainiert“, „ich bin nicht ausreichend vorbereitet“. Ich meine, ich bin auch untrainiert, ausreichend vorbereitet bin ich auch nicht, aber ich will nun mal kämpfen, ich will mich mir selbst beweisen. Und wozu geht ihr dann ins Training, wenn ihr nicht kämpfen wollt? 😀

Die meisten von uns, sind im Grapplingbereich Amateure und sehen das als Hobby an, wir sind keine UFC Fighter, die sich Monate lang nur auf einen Fight vorbereiten. Sobald du ins Training gehst, bereitest du dich automatisch vor. Was aber auch wieder ne Ego-Sache ist, die meisten kämpfen ja nicht, weil sie Angst haben zu verlieren! Wenn du Angst hast, solltest du die Sache gleich sein lassen und anfangen zu stricken, da passiert weniger.

Meine Meinung: „Kämpfer“ impliziert nun mal Kampf, Auseinandersetzung mit dem Gegner, aber am meisten mit dir selbst. Vor allem hier könnte man ja wieder den ständig auftauchenden Satz „you dont lose in jits, you either win or learn“ verwenden. Womit wir ja wieder bei fragwürdigen Mentalitäten und Verletzungen wären. Allein in meinem Bekanntenkreis haben sich im vergangen Jahr 10 Leute  das Kreuzband an- oder abgerissen. Wenn´s im Wettkampf passiert ist es scheiße, aber Wettkampf ist Wettkampf und eben ein unberechenbarer xxxxxhaufen. Aber leider ist es einigen im Training passiert! Aber da frag ich halt mich, muss das wirklich sein? Hier wäre wieder die fragwürdige Mentalität „Train hard, fight easy“ angebracht, da die wenigsten ja überhaupt auf Wettkämpfe fahren, wozu dann überhaupt hart trainieren? Vor allem, das große Problem is eben wieder, dass Leute „hart“ mit „unkontrolliert“ gleichsetzen.

Ich hab mich so oft mit Leuten, hart, richtig hart gefetzt – ich denk da nur an meinen Freund Michael Haupert _ wir haben uns nie richtig verletzt. Bevor Dinge kommen, wie: „er war selbst Schuld“; ihr habt die Verantwortung für euren Trainingspartner! Wenn ihr merkt, dass es gleich knackst, lasst los, springt nicht in Heelhooks oder reißt nicht an allem möglichen! Es ist Training, gottxxxxxt. Training ist, wie der Name sagt, zum trainieren und nicht um sich zu Messen da. Wenn ihr euch messen wollt, dann kämpft, seid ein Kämpfer und geht auf Wettkämpfe.

Das wäre jetzt milde gesagt meine Meinung, etwas über das ich mir schon länger Gedanken gemacht habt. Sollte ich irgendwas vergessen haben, ja dann, Text ist schon lang genug… Wenn aber du bisher hier gelesen hast, kannst auch noch ein Like da lassen, oder was Süßes schreiben :D“

United Fightwear

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