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LUTA LIVRE ON THE ROAD – FIRST AUSTRALIAN ROAD TRIP

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Purebred Goods
Von Niko Welko

Luta Livre hat schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Es war mehr ein großes Hobby; die Sportart, die mich jeden Muskel meines Körpers spüren lässt und meinen Geist frei setzt. Der Resetknopf am Ende des Tages. Aber seitdem ich 2014 von meinem Mestre Marcio Cromado zum Schwarzgurt graduiert wurde, haben sich einige Dinge für mich geändert. Er hat mich ermutigt, nun als Schwarzgurt, Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen. Dann legte ich los. Seitdem arbeite ich ununterbrochen und hart für Luta Livre in Deutschland, sowie in anderen Ländern der Welt. Ich arbeite zwar Teilzeit als Sportwissenschaftler in einem sportmedizinischen Institut in Dortmund wo ich lebe, aber allein in den letzten 6 Monaten war ich in 14 Städten, in 6 unterschiedlichen Ländern in Europa, Südamerika und Ozeanien, um neue und alte Teams wieder und wieder zu unterstützen und zu betreuen, solide Grundlagen zu vermitteln und die Entwicklung des Luta Livre zu fördern. Auch mehrere internationale Training Camps unter den Projekten der Welko Academy habe ich zusammen mit Kooperationspartnern in diesem und dem vergangenen Jahr ausgetragen, um Begeisterte zusammenkommen zu lassen, damit sie in einer sehr lockeren Atmosphäre Luta Livre erlernen und dabei Spaß haben können.

Trainiere im German Top Team

Es führte mich nach Ungarn, Paraguay und letztes Jahr auch nach Australien, um in diesen Ländern offiziell die ersten Luta Livre Teams auf die Beine zu stellen. All das habe ich in meiner Freizeit an den Wochenenden und während Freistellungen auf der Arbeit durchgeführt und dabei jeden einzelnen Aspekt der Projekte genossen. Ich fühle mich gesegnet. Ich meine, ich habe tolle Arbeitgeber, die mit einem warmen Lächel im Gesicht mich fragen, wo die Projekte der Welko Academy als nächstes stattfinden, immer wenn sie mich mit einem Antrag zur Freistellung in meinen Händen sehen. Ich habe unglaubliche Menschen kennengelernt, mit denen ich heute die Ehre habe, zusammen arbeiten zu dürfen. Darüber hinaus ermöglicht mir das alles noch eine meiner weiteren Leidenschaften nachzugehen; neue Orten zu besuchen, neue Menschen zu treffen, neue Kulturen zu erleben und aus all den inspiriert zu werden. Mit solchen positiven Erfahrungen gibt es keinen Zweifel für mich, es weiter zu machen.

Ich war nun zurück in Australien. Ganz genau ein Jahr nach meinem letzten Besuch, um unsere Schüler und Teams im Ausland zu betreuen und zu unterstützen. Ich entspannte mich auf meinem Bett und blickte durch das Fenster auf die Wellen von Kawana Beach. Ich konnte nicht ganz glauben, wie gut es sich anfühlte in diesem wunderschönen Land zurück zu sein, um das zu tun was ich so sehr liebe; die  internationale Entfaltung des Luta Livre aktiv zu fördern. In dieser Nacht konnte ich meine gewöhnlichen verrückten Gedanken nicht zurück halten. Ich nahm mein Handy und schrieb „Iron Jay“, einer unseren Orangegurt Mitglieder, eine Nachricht mit einem Vorschlag. Diese war ziemlich Deutsch; kurz und auf dem Punkt genau.

„Lass uns auf den ersten Australian Luta Livre road trip. Ganz egal wie. Wir können zwei Fahrräder nehmen und von Ort zu Ort radeln solange wir Luta Livre in diesem Land weiter ausbreiten können“

Ich legte mein Handy zurück und wartete auf seine Antwort. Die Zeit verging und es kam immer noch keine Antwort. Ich fing an, mir Gedanken zu machen. Würde er mir denn helfen, das zu tun? Oder würde er denken, ich übertreibe dieses Mal nun wirklich?

„Ja, wieso nicht. Ich kläre ein paar Dinge und hole dich morgen am Vormittag ab :-)“ antwortete er endlich.

Am nächsten morgen weckte mich der Lärm einer schrecklichen Huperei. Ich schaute raus aus dem Fenster und sah Iron Jay in einem alten und voller Graffiti besprühten Van. Als er mich dann sah, fiel er fast aus der Fahrerkabine während er mir zurief:

„Nico, lass uns die Matten auf den Dachträger packen, nimm deine Trainingsklamotten und los geht’s!“

„Ich meinte doch nicht, dass du gleich einen Van mieten sollst, Mann! Zwei Fahrräder wären genug gewesen, Digga!“ Antwortete ich zurück.

„Du bist ja hier nicht in Europa. Mit zwei Fahrrädern kommen wir echt nicht weit in Australien“ Rief er zurück.

Aufgeregt fingen wir dann an, den Van mit dem Grundsätzlichen für die Fahrt zu beladen; Küchenutensilien, einen 25 L Wasserkanister, Campingausrüstungen, etwas Essen und 9 lilane Steckmatten. Aber noch viel wichtiger: Toilettenpapier.

Wir stiegen ein, Iron Jay startete den Motor, schaute mich an und sagte:

„Okay Nico, auf geht’s“

Ich machte Reggae Musik an und wir fuhren los zum Rhythmus von „Israel Vibration“.

Zum Ende des Liedes schrie ich laut:

„Raaaaastaaaa Wrestling!!“

So nannte ein Freund von mir aus der Schweiz, Gian, mein Luta Livre, da ich immer Reggae Musik zu meinen Trainingseinheiten im Hintergrund laufen lasse.

Wir entschieden uns „the pacific highway“ runter nach Sydney zu fahren, da wir ein paar Tagen vor diesem Trip einen Treff mit Chris in seinem BJJ Gym in dem Central Coast für den kommenden Donnerstag vereinbart hatten. Der alte Van war lärmig und die Sonne in Australien sorgte dafür, dass es darin warm wurde. Es gab keine Klimaanlage. Der Van war einfach und spartanisch ausgestattet. Er war aber mit sehr auffälligen Graffitis besprüht, welche Menschen neugierig machten und zum Lachen brachten. Außerdem hatte der Van ein nicht so bequemes Bett zu bieten. Ich schlief darauf und Iron Jay in einem Zelt. Genug Stauraum im Inneren und auf dem Gepäckträger gab es auch. Eine Kochnische war an der hinteren Tür in dem Kofferraum eingebaut. Wir fühlten uns sicher, wenn wir nicht schneller als 80 Km/h unterwegs waren. Alles was schneller war, machte uns Angst. Wir hielten öfters als erwartet an Tankstellen an, um nachzutanken. Er schluckte Kraftstoff herunter wie ein durstiges Kamel Wasser säuft. Das beunruhigte mich, denn wir hätten ja ungern zu viel Geld, weit von Zuhause, in einen ungeplanten, spontanen Trip investiert.

Ich bin schon oft auf langen Touren gewesen, um das Leben zu genießen und meine Komfortzone zu verlassen. Ich war schon auf langen Fahrradtouren, Wanderungen, Ruderwanderschaften, Berg- und Klettertouren. Ich bereiste Teile der Welt mit dem Flugzeug, Auto, Zug, Bus, zu Fuß, per Anhalter und sogar auf Pferden. Ich schlief in Hütten, Zelte, im Freien, in Hängematten und sogar auf Bäumen. Aber nie zuvor war ich auf einem Trip für Luta Livre gewesen. Ich hatte also keine Bedenken über den eigenen Trip oder wie ich ihn durchführen könnte, jedoch aber darüber, wie Menschen auf so ein spontanes Abenteuer reagieren würden. Im Grunde war ich nicht auf diese Tour und besuchte Gyms, um Techniken zu beurteilen, oder darüber zu diskutieren, welcher Stil besser sei, und schon gar nicht  dafür, eine sinnlose Rivalität und negative Einstellung zwischen Luta Livre und Jiu Jitsu aus der Vergangenheit lebendig zu erhalten. Dieser Teil der Geschichte hat nichts mit mir zu tun; das ist nicht mein Bier und schon gar nicht meine Überzeugung, diese Kultur innerhalb der neuen Generationen von Luta Livre und Jiu Jitsu Anhängern weiter zu pflegen. Ich war auf dieser Tour, um mehrere Menschen von Luta Livre zu begeistern, die Zeit mit denen zu genießen, Wissen zu teilen, von Menschen zu lernen und neue Freundschaften zu schließen. Genau das passierte dann. Wir trafen uns mit den Trainern und deren Schülern, um Zeit zusammen zu verbringen und zu trainieren. Alles war sehr entspannt, ungezwungen und wir alle hatten Spaß. Ich teilte die Matten mit Weiß- bis Schwarzgurtträgern und wir alle lernten viel von einander.

Für meine Unterrichtseinheiten habe ich mich entschieden, Teile aus meinen „Carioca Leglocks Series“ vorzustellen. Das ist eine Serie von Beinangriffen und Kontern, die ich in der Vergangenheit entwickelte und zusammen stellte, damit ich ein sehr systematisches und progressives taktisches Vorgehen der Beinangriffe unterrichten kann. Mein Bedenken dabei war aber, dass die meisten Techniken für BJJ-Turniere nicht zulässig waren, da die meisten Gyms, die wir besuchten, BJJ als Grappling Disziplin hatten. Aber die Gyms unterrichteten auch MMA und ich dachte mir dann, sie würden eventuell die Techniken mögen. Außerdem wollte ich für sie, dass sie eine neue Herangehensweise erfahren. Ich wollte, dass sie meine Art von Luta Livre erleben. Also tat ich es.

Ich machte Reggae Musik an, wie üblich für meine Stunden; meine „Peace and love to my people“ Wiedergabeliste war die erste Wahl. Ich fing an, erst ein paar Takedowns zu zeigen, bevor ich dann den Einstieg für eine Einführung in mein „Carioca Leglocks Series“ anleiten konnte. Iron Jay hat mich dabei unterstützt und im Unterricht assistiert. Die Party war im vollen Gange. Der Raum war gefüllt  mit good vibes. Jeder lachte laut, machte Witze, liebte den Schmerz und die Verknoterei. Ich genoss den Moment und das Unterrichten wie immer. Good Vibes lang und breit. Wir konnten zwar nur ein paar Gyms auf diesen kurzen und spontanen Trip besuchen, aber „BRUTA LIVRE“, „KEEP IT PAINFUL“, „GOOD VIBES ONLY“, „SHARE THE KNOWLEDGE“, „SHARE THE MESSAGE“ und andere lustige Sprüche, die wir benutzen, um unsere Prinzipien zu beschreiben, waren in jedermann Munde während des Trainings. Ich fühlte mich gut.

Wenn wir nicht in Gyms waren, trainierten wir Luta Livre oder machten etwas Yoga auf unseren Matten, oder wir genossen einfach die Strände so oft wie möglich. Nach dem Training tranken wir australische Ingwer Bierbrause. Ich mochte sie. Die beinhalteten zwar viel Zucker, aber sie schmeckten mir ganz besonders. Ich glaube, die wären ein sicherer Weg zu einem Zucker-Ingwer-Bierbrausebauch…

Wir waren ständig von Ort zu Ort unterwegs. In der letzten Nacht des Trips wurde es spät. Wir waren hungrig und mussten auch noch einen Platz zum Übernachten finden. Wir hatten fast gar nichts Essbares mehr da und kaum Geld übrig. Alles was wir hatten waren Spaghetti und „Vegemite“; ein dunkler brauner australischer Aufstrich aus konzentriertem Hefeextrakt, Gemüsen und  Gewürzen. Iron Jay hatte keine Probleme damit, sie zusammen zu essen. Meine erste Erfahrung aber mit diesem australischen Aufstrich letztes Jahr war schrecklich. Ich erinnere mich, dass ich die Erwartung hatte, er würde süß schmecken. Denn mir wurde ja empfohlen, ihn auf Brot zum Frühstück zu probieren. Ich schmierte ihn dann dick auf mein Brot… und ja… es hat sich wie eine gemeine Submission angefühlt; schmerzhaft und illegal! Es gab also keine Chance für mich, diese „köstliche Kombination“, wie Iron Jay es scherzend sagte, zu probieren. Ich aß also langweilige Spaghetti mit Margarine gebraten und etwas Salz für den Geschmack. Genug, um nicht mit leeren Magen in dieser Nacht schlafen zu gehen.

Als ich dann im Van lag, war meine Aufmerksamkeit auf die vielen Bilder, Botschaften und Empfehlungen, welche von früheren Reisenden an den Innenwänden des Vans gemalt waren, gelenkt. Ich erinnerte mich an all die guten Erfahrungen, die ich während dieses kurzen Trips machte. Ich war mir sicher, dass dieser nicht mein letzter sein wird. Ich genoss schon immer, wenn ich unterwegs ein einfaches Leben führen konnte, mit dem aller Wesentlichen zu leben, kein Überfluss. Ich kann ein klaren Geist behalten, weil ich keine Energie für andere Gedanken verschwenden muss, die nicht das Hier und Jetzt betreffen. Ich kann mich dann vollkommend auf meine Gefühle fokussieren, auf meine Erfahrungen, die mich mit Freude bereichern. Nahrung für meine Seele. Nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen den Besitz von materiellen Dingen, denn diese können hilfreich sein. Ich bin aber dagegen, wenn Materielles mich dann am Ende besitzt, wenn es meine Lebensenergie konsumiert und mein Freisein einschränkt. Ich habe was dagegen, wenn Materielles mich von Gegenwärtiges ablenkt, von meiner persönlichen Entwicklung oder wenn es mir Sorge bereitet. All diese Erfahrungen, die mich nicht in einer positiven Art und Weise berühren, um glücklich zu sein.

Ich erwischte mich in tiefen Gedanken. Ich visualisierte eine leere Stelle an der Decke des Vans, nahm meinen Markierstift und fing an zu schreiben:

„Nie und nimmer verliere den Kontakt mit deiner Seele

Höre auf deine Herz- und Seelenstimme, befolge diese

Höre auf mit dem Versuch, das unechte Leben, welches die Medien dir vorspielen, leben zu wollen Dass die Welt ein gefährlicher Ort ist, und du dies und das brauchst, um dich sicher und glücklich zu fühlen.

Fange an, dein Leben als du selbst zu leben

Es gibt kein Geheimnis zur Glückseligkeit

Ernähre deine Seele“

Ich fühlte mich gut, sehr gut. Ich schaltete mein Campinglicht aus und krabbelte zurück in meinen Schlafsack. Ich schloss die Augen, um eine letzte Nacht in diesem alten Van zu verbringen.

Am nächsten morgen, Iron Jay und ich saßen auf dem Dachgepäckträger des Vans, tranken Tee und betrachteten den Sonnenaufgang. Wir waren über 2000 Km unterwegs gewesen. Ich erzählte ihm, dass ich hoffe, nicht nur Anhänger zu erzeugen, sondern auch Leiter für unsere Luta Livre Projekte hervorzubringen, die wirklich unsere Werten und Überzeugungen teilen.

„Wenn wir das so weitermachen, dann wirst du das erleben“ sagte er zu mir.

Es war dann, wo ich mich für einen längeren Trip in der nahen Zukunft entschieden habe und „Luta Livre on the road“ wurde zu einem weiteren und offiziellen Projekt der Welko Academy. Ich hoffe, dass mehr Menschen mit uns diese Erfahrung auf unseren nächsten Welttouren teilen werden, indem sie uns zu ihren Gyms einladen, mit uns reisen, mit uns trainieren und mit uns das Hier und Jetzt genießen.

Wenn du da draußen das hier liest und Lust darauf hast, dann zögere nicht, uns zu kontaktieren.

Share the message, share the knowledge,

Nico

Werfe auch noch einen Blick in das Video Highlight von diesem Australian Luta Livre road trip.

Viel Spaß beim zuschauen!

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