Start Yamatodamashii's Corner Goldene Regeln im MMA für Kämpfer

Goldene Regeln im MMA für Kämpfer

4188
0
TEILEN
Purebred Goods

Den schwierigsten und aus meiner Sicht unangenehmsten Teil meiner Serie habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben, bzw. vor mir hergeschoben. Unangenehm deshalb, weil man hier den meisten Leuten auf die Füße tritt. Weil sich dann jeder gleich persönlich angegriffen fühlt und meint er muss dagegen halten, ohne sich mal kurz die Goldenen Regeln für Kämpfer im MMA zu Gemüte zu führen und darüber nachzudenken. Würde ein Kämpfer nämlich das tun, würde er sich sein Leben und seine Karriere deutlich erleichtern und im Endeffekt sicher mehr herausholen können. Also, genug der langen Worte! Hier sind meine „Golden Rules for MMA Fighters“:

  • Du bist Kämpfer

…also mache genau das! Arbeite an Dir, verbessere Dich, werde versierter. Lerne dazu! Und vor allem habe die richtige Einstellung, zu dem, was Du machst! Hört sich überflüssig an? Ist es nicht. Einige einfache Beispiele sollten das verdeutlichen. Gerade „groß in Mode“ sind kurzfristige Absagen von Kämpfen aus den lächerlichsten Gründen. Beim besten Willen, aber wer einen Tag vor dem Einwiegen noch hartes Sparring macht und sich dabei „verletzt“ ist einfach nur dumm! Der Coach, der das zulässt, ist genauso dumm! So einfach ist das. Kurz vor einem Kampf wird nicht mehr gesparrt. Man sollte froh sein, dass man wochenlang verletzungsfrei durch eine (mehr oder weniger) harte Vorbereitung gekommen ist und dann macht man einen Tag vor dem Einwiegen noch hartes Sparring und bricht sich etwas? Ich bitte Euch. Oder Kämpfer, die schlichtweg ihr Gewicht nicht haben. Da hört es bei mir wirklich auf. Das ist für mich wie ein Rennfahrer, der ohne Reifen ins Rennen will. Das sind die grundlegendsten Dinge. Und dann noch gegen DEN nicht kämpfen wollen, gegen DEN aber auch nicht, aber wie wäre es mit DEM, der schon vom hinschauen umfällt? Man braucht ja einen tadellosen Rekord für die UFC! Ich sage es Euch ganz klar ins Gesicht: „Ihr seid Memmen, aber keine Kämpfer!“. Ein Kämpfer arbeitet an sich, hat den ständigen Drang, dazu zu lernen, will sich verbessern und vor allem: ER WILL SICH MIT DEN BESTEN MESSEN! Nur so wird man besser! Das, was vielerorts in Deutschland gerade zu beobachten ist, verdirbt einem echt oft schon den Spaß am MMA. Jeder sucht sich raus, gegen wen er wann wo ran will, wenn er nicht gerade das Gewicht verpasst, einfach nicht erscheint oder sich kurz vorher „verletzt“. Und ihr wollt Kämpfer sein??? Geht mal tief in Euch und stellt Euch Euren Ängsten und Fehlern. Und dann: BESIEGT UND ÜBERWINDET SIE!!! Das ist es, was Kämpfer machen!

  • Du willst Profi sein? Dann verhalte Dich auch professionell!
Trainiere im German Top Team

Oh mein Gott! Was könnte ich über diesen Punkt tagelang philosophieren und diskutieren… Professionalität wird heut zu Tage anscheinend nur noch an der Facebook Fanpage und den Twitter Followern gemessen. 10.000 gekaufte Facebook „Fans“ machen Euch nicht professionell! Die helfen Euch auch nicht beim Training! Oder beim Weight-Cut! Die sind virtuell nur im Facebook Nirwana und haben irgendwann mal „Gefällt mir“ geklickt. Warum, wissen sie meist selbst nicht. Doch was ist professionell? In Bezug auf die Thematik „MMA Kämpfer“ würde ich das in ungefähr so festlegen:

  1. Du bist regelmäßig in einem vernünftigen Training
  2. Du hörst auf Deinen Trainer und die Coaches
  3. Dein Training, Deine Ernährung und die regenerativen Maßnahmen sind ausgewogen und sinnvoll
  4. Du bist zuverlässig und pünktlich. Dein Wort gilt etwas.
  5. Du kommst damit klar, dass „Lehrjahre keine Herrenjahre“ sind
  6. Du sprichst Kämpfe und die Vorbereitung hierauf mit Deinem Trainer und den Coaches ab
  7. Du bist ein Musterkämpfer für den jeweiligen Promoter (wird noch spezieller aufgeführt)
  8. Du konzentrierst Dich auf Deine Weiterentwicklung und Deinen echten Fortschritt als MMA Kämpfer
  9. Für Dich sind Werte, wie sportliche Fairness, Zuverlässigkeit, Beständigkeit und Loyalität wichtig
  10. Du lebst nur einmal! Also kämpfe gegen die Besten, die Du vor die Fäuste bekommst!

Wenn Du für die Veranstalter ein zuverlässiger Partner bist, der pünktlich kommt und im Gewicht ist, nicht zu „picky“ bei der „Auswahl“ seiner Gegner ist und dann auch noch eine sportlich gute Leistung im Ring oder Octagon zeigt, dann denke ich, dass Du den Begriff Professionalität am ehesten verinnerlicht hast. Die Realität sieht leider oft anders aus. Und da wundert es Euch, dass man Euch nicht bucht oder dabei haben will? Dass ihr nie an die guten Kämpfe kommt, mit denen Ihr Euch wirklich beweisen könnt? Nö, da wird lieber irgendwo gegen irgendwen (den auch niemand kennt) um einen Phantasietitel gekämpft, und schon ist das eigene Ego wieder gefüttert und zufrieden gestellt. Man kann weiterhin in der Traumseifenblase „Ich bin Profi MMA Kämpfer“ schweben und sich von den Kumpels feiern lassen. Und davon träumen, in die UFC zu kommen. Leute, ihr habt a) keine Ahnung, was es heißt, in so einer Liga zu kämpfen und b) keinen Schimmer, wie ihr so einem enormen Druck aushalten würdet. Ich ziehe meinen Hut vor den tollen Sportlern in unserem Lande, wie z.B. Dennis Siver, Daniel Weichel oder Nick Hein, die sich selbst so viel abverlangt haben um dort hin zu kommen, wo sie jetzt sind und sich jetzt noch jeden Tag selbst mehr abverlangen, um dort auch zu bleiben und Erfolg zu haben. Diese und noch einige Kämpfer mehr leisten jeden Tag ein vielfaches von dem, was ihr leisten wollen würdet, wenn’s nicht so verdammt unbequem und hart wäre. DAS ist Professionalität! Und dann noch auf den Punkt abliefern gehört eben auch dazu. Mit „versuchen“ ist da nicht viel getan.

  • „Dessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe“

Ich habe eine echt schlechte Nachricht für Euch alle! Ihr seid arbeitslos! Vielleicht würdet Ihr ja gerne arbeiten, aber es gibt so viele von Euch und so wenige Arbeitgeber (Promoter), dass es echt schwer ist, einen Job (Kampf) zu bekommen. Da kommen nur die weiter, die Regel 1 und 2 verstanden haben und umsetzen. Und wenn Euch ein Promoter dann einen Kampf anbietet, geht das große Gefeilsche und Verhandeln los. Leute, was geht denn bei Euch? Macht das mal in der freien Marktwirtschaft, wenn Ihr Euch bei einem Arbeitgeber um eine Anstellung bewerbt. Da werdet Ihr sehr schnell (un-)freundlich nach draußen gebeten. Und das sollte Euch nicht wundern. Denn noch habt Ihr wirklich NICHTS für diesen Promoter getan oder geleistet. Aber er bietet Euch einen Job an! Und dann wollen sich alle einmischen, inklusive „Agenten“, „Managern“ und „Beratern“ und jeder redet auf einmal mit? Und wenn ihr genommen werdet, macht Ihr bitte genau WAS für den Promoter? Genau, ihr kämpft – und dafür dürft ihr ihm dankbar sein – und sonst nichts. Helft Ihr, das Event zu bewerben? Verkauft Ihr Tickets an Eure Freunde und Bekannte und bringt sie auf dieses Event, wo IHR kämpfen dürft und von dem IHR bezahlt werdet? Ich weiß aus meiner frühen Zeit, dass einige der größten Label in England und Europa ihre Kämpfer fast ausschließlich in Tickets bezahlt haben. War ein super Deal für die Kämpfer, die richtig Asche gemacht haben, und die Promoter hatten immer ein volles Haus mit ECHTEN FANS der Kämpfer, was wieder zu einer super Stimmung bei den Kämpfen geführt hat. Und ich rede hier nicht von ein paar Hundert, sondern von ein paar Tausend Zuschauern! Promoter und Kämpfer müssen beide verdienen, denn ohne Zuschauer wird der Promoter den Kämpfer schlecht bezahlen können. In England sind so einige der größten und bekanntesten Labels groß geworden und geblieben und deshalb haben solche Kämpfer auch immer einen guten Stand bei den Veranstaltern. Sie werden überdurchschnittlich entlohnt und haben häufig Kämpfe. Und genau damit verdient man doch sein Geld und steigert seinen Marktwert, oder?! Seht die Promoter mehr als Eure Arbeitgeber (was sie auch sind) und versucht, wie im normalen Berufsleben, das Beste für Euren Arbeitgeber zu leisten. Das wird sich immer bezahlt machen.

  • Zähme Dein Ego

Jeder Kämpfer hat ein Ego, die meisten sogar ein sehr großes. Und viele Kämpfer werden leider ein Opfer des eigenen Ichs. Man nimmt sich ein Beispiel an dem Iren McGregor, der richtig auf die Kacke haut, keine Unverschämtheit auslässt, bewundert sein selbstsicheres, fast schon narzistisches Verhalten und Gerede und möchte auch so berühmt sein wie er. Also wäre es am besten, wenn man so wäre wie er? Und schon versucht jeder McGregor zu immitieren. Und ganz ehrlich: es ist einfach nur peinlich und lächerlich. Ich selbst habe im vergangenen Jahr so eine McGregor Immitation gesehen und konnte nicht einmal mehr darüber lachen. Ich habe mich nur kopfschüttelnd fremdgeschämt. Und jeder hat es gelinde gesagt Scheisse gefunden. Richtig übel wurde es aber erst am nächsten Tag, als das McGregor Double einfach schlichtweg verpackt wurde und auf’s Maul bekommen hat. Tut Euch doch das nicht an! Macht Euch doch nicht zum Gespött der Leute, nur weil Ihr meint, Ihr könnt so noch irgendwie Eindruck schinden. Die Wahrheit tut weh, und die ist: Du bist weder McGregor, noch Rousey! Du bist einfach Du und solltest Dich über Deine Leistung definieren. Große Champions, wie Silva, Aldo, Fedor oder Weidmann sind deswegen so groß, weil sie leisten und abliefern. Nicht, weil Sie ihr großes Ego immer wieder vorschnell aus dem Mund lassen. Für einen Connor McGregor funktioniert diese Masche sehr sehr gut und er ist mit Sicherheit ein Ausnahmeathlet, der sich so was eigentlich nicht leisten sollte, aber es halt kann. Solange er gewinnt. Wenn man trotz großer Klappe dann halt einfach in den Boden gestampft wird, dann ist einem der Spott gewiss. Ein großer Champion aber, der verliert, ist trotz der Niederlage immer noch ein großer Champion und ein strahlendes Vorbild für viele. Wenn Du also Deinen nächsten großen Auftritt planst, dann denke bitte kurz darüber nach, ob Deine Kinder jetzt oder später sich an Deinem Verhalten ein Beispiel nehmen sollten oder nicht….

  • Nur die Leistung zählt, also leiste!

Tja, das ist das wirklich harte am Profisport. Nur für Leistung wird man bezahlt. Egal, wie und woher die Leistung kommt, sie muss erbracht werden. Also auch von Dir, denn schließlich bist Du ja Profi MMA Kämpfer! Aber leistest Du auch und lieferst Du ab? Hast Du alle Punkte davor schon befolgt und bist jetzt noch dazu in der Lage, auf den Punkt abzuliefern? Dann freue ich mich für Dich, denn dann bist Du das, was man als wirklichen Profisportler versteht. Ein Vorbild für viele im Umgang mit seinen Mitmenschen. Ein Sportler, der stets hart an sich arbeitet und sich ständig verbessert. Ein Kämpfer, der von den Veranstaltern gerne gebucht und von echten Fans gerne gesehen wird. Jemand, der Worten Taten folgen lässt und dadurch authentisch und glaubwürdig ist und den Sport gut in der Öffentlichkeit repräsentiert. Denn, anstatt wie viele andere, Deine Zeit mit Facebook Fanpages, Videoposts auf Youtube und Bildern vom Training auf Instagram zu verschwenden, bist Du im Training und arbeitest an Deinem nächsten Ziel. Du redest es Dir nicht herbei, sondern Du schaffst die Voraussetzungen für Deinen nächsten Erfolg. Dein Trainer hat Dich gerne um sich im Training, da Du begierig lernst und ein gutes Vorbild für die anderen Sportler im Gym oder Dojo bist und Dein Manager hat wenig zu tun, da die Angebote für Kämpfe schon selbst ins Haus flattern. Das alles kommt aber nur daher, dass Du wirklich verstanden hast, was es bedeutet ein Kämpfer und Profisportler zu sein, der, wenn es darauf ankommt, auch immer seine Leistung bringt. Nicht mehr und nicht weniger! Ich freue mich für Dich!!!

Ich habe jetzt in meiner Reihe mit den „Goldenen Regeln im MMA“ wirklich alle bedacht, die es Wert sind, bedacht zu werden. Die Promoter, die Coaches, die Medien und die Kämpfer selbst. Bleibt mir nur festzuhalten, dass es wirklich gut für ALLE in unserem Sport wäre, wenn man sich diese selbstverständlichen Grundsätze wieder mehr zu Herzen nimmt und damit dem Sport, den wir alle so lieben, den größten Dienst erweist.

Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, meine Gedanken zu diesem Thema zu lesen.

Euer

Peter „Yamatodamashii“ Angerer

United Fightwear