Start Yamatodamashii's Corner Goldene Regeln für Coaches im MMA

Goldene Regeln für Coaches im MMA

669
0
TEILEN
Cornerman Eric Tillotson shouts at Foley during his fight. All fighters have cornermen for support and coaching before and after a fight and between rounds.
Purebred Goods

Die unumstritten wichtigste Person im Umfeld des Kämpfers ist nicht sein Manager, sondern sein Coach. Er fristet meist ein tristes Schattendasein im Vergleich zum gleißenden Ruhm des Kämpfers, aber um es mal ganz klar zu sagen: ER entscheidet über Sieg oder Niederlage! Der Coach ist wichtigste Bezugsperson für den Athleten in einem extrem stressigen Umfeld, er ist der Mann (oder auch die Frau), der das Selbe schon hundertmal erlebt und durchlebt hat. Er hat die Erfahrung, die Übersicht, die Ruhe, die Gelassenheit, die Tips… Rundum: er hat alles, was ein Kämpfer kurz vor dem Kampf nicht mehr hat, weil er unter Stress steht. Er kennt den Kämpfer selbst in- und auswendig, weiß, was in seinem Kopf vorgeht und er weiß auch, wie er da rein kommt um dem Sportler in dieser Situation zu helfen. Zumindest sollte es genau so laufen. Die Realität sieht leider nicht immer ganz so ruhig, organisiert, geplant und helfend aus, wie sie eigentlich sein sollte. Aus diesem Grunde heute die wichtigsten Goldenen Regeln für Coaches im MMA.

  • Kenne Deine Aufgaben

Als Coach hast Du leider echt einen Scheiss Job! Du bist praktisch der Depp für alles, musst alles wissen, Dich um alles kümmern, alles im Griff haben und und und… RICHTIG! Genau DAS ist Dein Job als Coach. Denn der Kämpfer sollte sich in dieser Phase vor dem Kampf mit Sicherheit nicht noch das antun. Der Sportler ist gestresst, steht unter Druck, hat Angst und wäre am liebsten woanders. Dein Job besteht in erster Linie darin, ihm im Vorfeld JEDEN Stress vom Leib zu halten. Das hört sich echt nach einem Scheiss Job an? Na dann warte mal, was noch kommt. Während Du nämlich (im Idealfall mit Deinen Assistenten) damit beschäftigt bist jeglichen Stress von dem Kämpfer fernzuhalten, ist es noch viel wichtiger, dass Du Dich extrem um Deinen Kämpfer kümmerst. Lies die Zeichen. Bemerke seine Stimmungsschwankungen. Erkenne, wenn man mit ihm reden sollte und wann es besser ist, ihn alleine zu lassen. Auch wenn es keiner zugibt: jeder Kämpfer hat Angst vor dem Kampf und steht unter enormem Stress. Glückwunsch! Denn bildlich gesprochen bist Du gerade für eine kleine tickende Zeitbombe zuständig. Wenn Du jetzt auch noch unsicher bist, angespannt, oder etwas vergessen hast oder sonst etwas aus dem Ruder läuft, dann ist die Katastrophe eigentlich schon fast perfekt. Kümmere Dich also im Vorfeld um alles. Ständiger Kontakt zum Veranstalter, Adressen und Zeiten vom Einwiegen, Hotel und der Veranstaltungslocation. Klarer Zeitplan und ein oder zwei Assistenten an Deiner Seite, die Dich bei allem unterstützen. Die dir Laufarbeit abnehmen oder Dir zur Hand gehen. Schau, dass das Material zum Hände bandagieren und die Ausrüstung für die Rundenpausen (Kühleisen, Eispacks, Wasser, Vaseline, Eimer, Handtuch) etc. dabei und immer griffbereit ist. Denke bitte an Tief- und Zahnschutz vom Kämpfer. Er wird es mit Sicherheit nicht tun. Sei KEIN Freund, sondern ein Coach, auf den sich Dein Kämpfer immer verlassen kann. Vor, während und nach dem Kampf. Je besser Du Deine Aufgaben kennst und Abläufe strukturierst, um so einfacher wird es für Dich und in allererster Linie für Deinen Kämpfer.

  • Plane Deine Arbeit
Trainiere im German Top Team

Glaubt mir. Nichts ist schlimmer als ein Coach, der „mal kurz am Wochenende einspringt“. Sei bitte nicht so ein auf jedes Event mitreisender Kumpel, der gerade Zeit hat und sich freut, dass er ein Event umsonst sieht. Sei ein verantwortungsvoller und umsichtiger „Fels in der Brandung“, auf den sich der Kämpfer verlassen kann. Dazu musst Du wissen, wie Du die anfallende Arbeit am besten planst und verteilst. Drei Betreuer sind zugelassen bei Events, also seid bitte auch zu dritt. Und bestimme bitte Du, auf wen DU Dich verlassen kannst. Teile klar strukturiert auf, wer sich um Reise, Hotel, Zeitplan etc. kümmert. Der andere kann sich um die Ausrüstung, Coach Eimer, Pratzen etc. kümmern. Und mit Kümmern meine ich, dass diese beiden Leute dann für diesen Bereich auch verantwortlich sind in der Planung und Vorbereitung. Wer hält Kontakt zum Veranstalter, wer kümmert sich um den Kämpfervertrag und den ganzen Papierkram? Glaubt mir, je schneller Du Kompetenzen teilst und abgibst, um so schneller wird alles einfacher und auch deutlich professioneller.

  • Du bist die Verbindung zum Promoter

Nichts ist nerviger und zeitaufwändiger, als eine schlechte Kommunikation mit dem Veranstalter. Eine schlechte Kommunikation schafft eine Atmosphäre der Unsicherheit und wirft viele Fragen auf, die eigentlich leicht und schnell im offenen Gespräch zu beantworten sind. Kümmere Dich von Anfang an darum, dass alle aufkommenden Fragen schnell und umfassend beantwortet werden. Das fängt bei den Modalitäten zum Kampfvertrag an, geht über Punkte, wie die Unterzeichnung des Vertrages und die Festlegung aller Regeln, bis hin zur Übermittlung des Zeitplans, aller relevanten Adressen (Einwiegen, Hotel, Veranstaltungsort). Je weniger Dein Kämpfer mit solchen Fragen belastet wird, desto stressfreier und lockerer läuft alles im Vorfeld. Das kommt der Leistung Deines Kämpfers auf jeden Fall zu Gute. Und auch jeder Promoter weiß es zu schätzen, dass er einen Ansprechpartner für alle Fragen hat. Diese Verbindung wird meist unterschätzt und es resultieren aus einer mangelnden Kommunikation viele Probleme, die dem Promoter, Dir und Deinem Kämpfer das Leben unnötig schwer machen.

  • Die Ecke steht genauso im Blickfeld der Zuschauer und Medien

…und dementsprechend sollten sich gute Coaches auch zu benehmen wissen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man seinen Schützling „zum Sieg schreit“. Vorbei sollten auch die Zeiten sein, in welchen die Coaches gar noch gefährlicher sein wollen, als der eigene Kämpfer. Bei manchen Events muss man sich echt fragen, ob man sich so etwas auf Sportveranstaltungen noch antun will. Die Betreuer können wenig, außer gefährlich ausschauen, versuchen in einer Tour ihren Kämpfer „anzuheizen“ und während des Kampfes kommt dann leider wenig Hilfestellung für den Athleten, sondern mehr Selbstdarstellung, zum Vorschein. Ist Euch bewusst, dass die Ecke genauso wahrgenommen wird, wie der Kämpfer selbst? Dass Euer Kämpfer eigentlich mehr davon hat, dass man ihn wirklich BETREUT, als ihn in die Schlacht zu schicken? Und welches Bild gibt die Ecke, welche ja das Team wirklich vollumfänglich in der Öffentlichkeit repräsentiert, bei den Zuschauern, den Medien, Sponsoren und anderen Teams ab? Habt Ihr die Hände richtig bandagieren können? Könnt ihr Cuts, Blutungen und Schwellungen in den Rundenpausen professionell behandeln? Gebt ihr taktisch klare Anweisungen und betreut Euren Kämpfer damit wirklich bei einem Kampf? Kommen diese Anweisungen klar, verständlich und kann man sich sportlich verhalten? Wenn man sich mehr auf die eigentlichen Aufgaben eines Coaches konzentriert und sich um ein sportliches und professionelles Auftreten in der Öffentlichkeit bemüht, wird vieles in Zusammenhang mit der Teilnahme bei MMA Wettkämpfen einfacher. Ihr werdet es sehen…

  • Schuster, bleib bei Deinen Leisten

Ich muss leider immer wieder die Beobachtung machen, dass manche Betreuer gerne ein Multitalent wären. Manager, Promoter, Pressesprecher, eloquenter Interviewpartner, Marketingberater, Betreuer und Kämpfer in einer Person. Abgesehen von der Tatsache, dass es nur wirklich wenige „Spielertrainer“ im MMA gibt, bleibt leider festzustellen, dass die meisten Betreuer von Kameras und Mikrofonen geradezu magisch angezogen werden. Da wird 5 Minuten nach einem Kampf auf total emotionaler Basis nach der besten „Ich f…e Euch alle“ Mentalität der Nation erklärt, warum der eigene Schützling eigentlich schon lange in der UFC stehen sollte. Da werden auf einmal Herausforderungen ausgesprochen und jeder gibt sich Mühe, der nächste McGregor in Sachen Selbstvermarktung zu werden. Ist Euch das eigentlich nicht peinlich? Ist das Eurer Meinung nach professionelle Öffentlichkeitsarbeit? Und wenn ja, kann das nicht ein Manager oder Marketingberater besser? Abgeklärter? Sachlicher? Irgendwie professioneller? Und warum muss bei jedem Interview des Kämpfers bitte auch unbedingt der Coach dabei sein? Denkt ihr nicht, dass es Eurem Schützling besser tun würde, nach dem Kampf erst einmal runter zu kommen, die Handschuhe auszuziehen, diese emotionale Achterbahnfahrt erst einmal zu verdauen? DAS wäre nämlich die Aufgabe des Coaches. Den Kämpfer aus diesem Stress heraus zu nehmen, ihn erst mal zu versorgen, zu schauen, ob Verletzungen festzustellen sind, kleinere Blessuren zu behandeln und und und. Aber nein! Da vorne steht eine Kamera und ein Typ hält ein Mikrofon! Los, da hin! Das ist meiner Meinung nach ein absoluter Fehler, tut Eurem Image nicht immer gut, und schadet in erster Linie dem Kämpfer. Nimm Deinen Job als Coach ernst und dieser Job endet nicht mit Ende des Kampfes. Und versuche bitte nicht nach Deiner Tätigkeit als Coach gleich in die Rolle des Managers zu schlüpfen oder in sonst eine andere Rolle. Du bist Coach! Du bist für Deinen Kämpfer ein Fels in der Brandung und oft der einzige Halt, den er hat. Für ein paar Facebook Kommentare oder Klicks auf Youtube sollte man diese große Verantwortung nicht über Bord werfen, sondern ihr bis zum Schluss gerecht werden.

Ich würde mir sehr wünschen, dass die Betreuung der Kämpfer in ALLEN Belangen professioneller wird. DAS würde dem MMA einen wirklichen Dienst erweisen. Es liegt nämlich an den Betreuern, ob ein Kämpfer im Gewicht und pünktlich zum Kampf kommt. Bei mir selbst im German Top Team gibt es drei ganz klare Regeln für alle Kämpfer: 1. Du bist im Gewicht 2. Du bist pünktlich 3. Man sagt nie einen vertraglich zugesicherten Kampf ab. Die Durchsetzung dieser Regeln liegt in meinem Team einzig und alleine bei mir, bei niemandem sonst. Fakt ist aber, dass von meinem Team noch nie ein Kämpfer nicht im Gewicht war, wir waren immer pünktlich und wir haben noch nie einen vertraglich zugesicherten Kampf platzen lassen. Das gibt einem einen guten Stand bei den Veranstaltern, schafft eine sportliche und professionelle Atmosphäre und schafft ein gutes Image in der Öffentlichkeit. Es liegt an Euch!

United Fightwear