Nachbetrachtung des DGL Finales

Nachbetrachtung des DGL Finales

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DGL ChampionsRichtig gute Werbung für den Grappling Sport ist nicht eine Zeitungsanzeige, ein Videoclip oder ein schön gestaltetes T-Shirt… Nach dem gestrigen Finaltag der Deutschen Grappling Liga in der Arena in Aschaffenburg muss man einfach sagen, dass die DGL wohl die beste Werbung für diesen unseren Sport in Deutschland ist. Sieben Mannschaftsduelle auf höchstem Niveau, eine perfekte Orga und kompetente Umsetzung gehobener Veranstaltungsstandards waren gestern das wohl beste Aushängeschild für das Grappling und werden zum Markenzeichen der Deutschen Grappling Liga. Nachdem wir gestern bereits die Ergebnisse der Duelle live aus der Arena in Aschaffenburg hier auf Kakutogi gepostet haben, wollen wir nun eine Nachbetrachtung folgen lassen…

Bereits im Vorfeld zeichneten sich einige kleinere und größere Probleme ab, als binnen kurzer Zeit zwei qualifizierte Teams ihre Teilnahme am Finale absagen mussten. Die Taifune aus Düsseldorf waren durch Verletzungen derart geschwächt und dezimiert, dass sie keine Mannschaft an den Start brachten. Ein bitteres Los und Teamchef Armin Eslami war sichtlich erschüttert, als er der DGL in der letzten Woche die Absage mitteilen musste. Damit war einer der Favoriten aus dem Rennen, der kurzfristig durch das Team Ferrari Jiu-Jitsu vertreten wurde. Auch die Nordmänner aus der sowieso schon schwach besetzten Nord-/Ost-Division brachten kein Team zustande und man suchte von Seiten der DGL händeringend nach Ersatz. Dieser wurde dann mit den Aschaffenburg Monkeys gefunden und so konnte das große Finale am Samstag in der Aschaffenburger Arena starten.

Trainiere im German Top Team

Bereits beim Auftaktmatch der Mainzer Mogons gegen die Ruhrpott Lutadores zeichnete sich ab, dass die Mainzer auf den Punkt genau vorbereitet waren und keine Gefangenen machen wollten. Mit einer enorm starken Leistung fegten die Mainzer die Konkurrenz fast chancenlos von der Matte und zogen ungeschlagen in das Halbfinale ein. Spätestens nach dieser Vorstellung wussten alle in der Halle, dass die Mainzer heute Ernst machen würden.

Das zweite Viertelfinale zeigte die sehr starke Southside Connection um Peter Sobotta und Gregor Herb, die gegen das Ersatzteam Aschaffenburg Monkeys auf die Matte durften. Erwartungsgemäß ließen die Kämpfer der SC den Monkeys nur wenige Chancen und holten sich mit 27:3 Punkten bei sechs Siegen einen überdeutlichen Sieg. Hervorzuheben ist hierbei die phänomenale Leistung von Dima Götte, der mit knapp 60 kg in der -80 kg Klasse für die Southside Connection an den Start ging und sein Duell deutlich nach Punkten gewann. Der Junge hat im Grappling noch eine ganz große Karriere vor sich, wenn er weiter so am Ball bleibt.

Die nächste Ausscheidungsrunde zeigte ein überaus packendes Duell zwischen dem Berliner Grappling Team und dem Titelverteidiger Sparta Essen. Nach den ersten vier Begegnungen stand es Unentschieden zwischen den Berlinern und den Spartanern und das Duell zwischen Timo Kindling und dem ehemaligen Shooto Europameister Volker Dietz endete ebenfalls in einem Draw. Damit war Dramatik und Spannung pur in der Luft, denn die letzten beiden Kämpfe mussten nun Klarheit schaffen, wer in das Halbfinale einzieht. Mit einem Punktesieg und einer Submission besiegelten die Essener das Schicksal der Berliner und zogen mit einem Endstand von 15:7 Punkten in die nächste Runde, während die stark kämpfenden Berliner leider wieder die Heimreise antreten mussten.

Das letzte Viertelfinale zeigte die Stuttgarter Muchachos unter Leitung von Michael Hockenjos gegen eine total überforderte Mannschaft des Ferrari Jiu-Jitsu. Mit vier Submission- und drei Punktesiegen rückten die Stuttgarter ungeschlagen in das Halbfinale vor und machten deutlich, dass die Schwaben in diesem Jahr zum Siegen nach Aschaffenburg gefahren sind.

Die Halbfinals zeigten dann Grappling vom anderen Stern auf höchstem Niveau. Im ersten Semifinal standen die Mainzer Mogons gegen die Southside Connection auf der Matte. Den Auftaktkampf -65 kg konnte die Southside Connection nach Punkten für sich entscheiden, doch in der Klasse -70 kg schlug Mainz erbarmungslos zurück. Maurice Skrober, der zuletzt mit seinem spektakulären Kampf gegen den Japaner Kohei Yasumi bei der UGC international auf sich aufmerksam machte, lies dem technisch versierten Konstantin Götte keine Chance und schlug den Balinger mit einem seiner gefürchteten Beinhebel. Damit lagen die Mainzer nun knapp nach Punkten in Führung. Der frischgebackene Submissao Sieger Ethienne Steffen packte dann noch eins oben drauf und beendete seinen Kampf gegen den starken Matthäus Buschkamp ebenfalls vorzeitig, womit die Mainzer nun schon 10:3 führten. Marc Becker baute die Führung der Mainzer mit einem Punktesieg über den phänomenal kämpfenden Dima Götte um weitere 3 Punkte aus, bis Peter Sobotta für die Southside Connection auf die Matte ging. Der UFC Veteran besiegte Patrick Herring mit einer Submission und auch Mike Mullineaux von den Mogons musste sich dem mehrfachen Europameister Gregor Herb vorzeitig geschlagen geben. Damit stand es nach sechs Kämpfen 13:13 und es hätte wohl kein spannenderes Finish geben können. Benjamin Russ sicherte in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Finish mit einem Submission Sieg den Mainzer Mogons den Einzug ins Finale und sorgte damit für die erste kleine Sensation des Tages.

Im zweiten Halbfinale kam es ebenfalls zu einem packenden Kopf-an-Kopf Rennen zwischen den Titelverteidigern aus Essen und den Stuttgarter Muchachos. Überraschender Weise konnte der erfahrene Robert Westerman den hoch favorisierten Ali Ayin vorzeitig mit einer Submission schlagen. Allerdings wendete sich etwas unglücklich das Blatt bereits im zweiten Kampf, als Franjo Artukovic bei einem Flying Armbar auf dem Kopf landete und kurz bewusstlos war. Unfähig weiter zu kämpfen ging der Sieg verletzungsbedingt an die Spartaner und es stand wieder Unentschieden. Auch Alan Omer, der ansonsten ein Sieg-Garant für die Muchachos ist, musste sich überraschend gegen den taktisch sehr klug kämpfenden Daniel Jacko nach Punkten geschlagen geben und die Spartaner gingen 8:5 in Führung nach drei Kämpfen. Dominik Artukovic und Felix Penzer drehten dann für die Muchachos nochmals richtig auf und siegten jeweils vorzeitig mit tollen Submissions über ihre Essener Gegner. Andre Lix von den Muchachos besiegelte dann das Ende der Träume auf eine Titelverteidigung der Spartaner mit einem Punktesieg über Volker Dietz, auch wenn Manuel Masuch im letzten Kampf nochmals mit einem Submissionsieg nachzog. Mit 18:12 Punkten schlugen die Stuttgarter gnadenlos zu und schickten den Titelverteidiger aus Essen nach Hause.

Somit stand das Finale zwischen den Mainzer Mogons und den Muchachos aus Stuttgart fest. Robert Westerman zeigte sich wieder einmal in starker Form und brachte den jungen Shooto Vize-Europameister Sami Aita zur Aufgabe, womit die Stuttgarter mit 5 Punkten in Führung gingen. Allerdings nicht lange. Maurice Skrober lies Florian Wendle wenig Chancen und beendete den Kampf wieder einmal vorzeitig, womit die Mainzer mit den Stuttgartern gleichzogen. Ein Scissor Takedown von Ethienne Steffen bei Alan Omer verursachte eine Knieverletzung bei dem Stuttgarter MMA Champion und er war nicht in der Lage, den Kampf fortzuführen. Somit wurde Steffen der vorzeitige Sieg zugesprochen und die Mainzer waren erstmals mit 5 Punkten Vorsprung in Führung. Dominik Artukovic verkürzte den Vorsprung der Mainzer, indem er Patrick Herring nach Punkten schlagen konnte und verkürzte damit auf 8:10 aus Sicht der Schwaben. Mike Mullineaux von den Mogons läutete dann mit einem weiteren Submission Sieg über Felix Penzer das Ende der Muchachos ein und Benjamin Russ reichte ein Punktesieg über Sergej Lokhov, um den Deckel endgültig auf den Sarg für die Titelträume der Stuttgarter zu nageln. Zwar gewann Andreas Zeier für die Muchachos noch den letzten Kampf gegen Niels Wernersbach durch Submission, aber an dem Sieg der Mainzer konnte dies nichts mehr ändern.

Mit einer durchwegs glanzvollen und beeindruckenden Gesamtleistung des ganzen Teams sicherten sich die Mainzer Mogons den Titel des Deutschen Meisters der DGL und das Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro. Eine überglückliche Mannschaft nahm bei der Siegerehrung den Pokal und das Preisgeld entgegen. Wir gratulieren den Mogons zu einer über die gesamte Saison gezeigte überragende Leistung und den Gewinn des Titels.

Abschließend muss noch gesagt werden, dass der Süden in der DGL wohl zu einem Tummelplatz guter Grappler geworden ist. Drei von vier Halbfinalsmannschaften kamen aus der Division III und lediglich Titelverteidiger Sparta Essen konnte in diese Sphalanx des wilden Südens einbrechen. Zu beobachten war auch, dass gerade die Mannschaften aus dieser Division die wohl stabilste Mannschaftsaufstellung hatte und man Ausfälle durch hochwertige Ersatzkämpfer im Team kompensieren konnte. Es bleibt abzuwarten, wie die DGL auf diese Entwicklung reagiert, denn wenn man beobachtet, dass die sehr schwache Divison I mit nur drei Teams gesamt zwei Teilnehmer für das Finale stellen kann und dabei dann auch noch ein Finalteilnehmer kurzfristig ausfällt, dann stellt sich im Vergleich zur Division III schon die Frage nach einer Chancengleichheit für eine Finalqualifikation. Wir sind uns sicher, dass die DGL auch hierfür schnell und kompetent eine Lösung parat hat und weiterhin eine derart professionelle Arbeitsleistung für das Grappling in Deutschland zeigt. Eines ist auf jeden Fall klar: neben den vielen „Titeln“ der mittlerweile zahlreichen Turniere und Meisterschaften in unserem Land sind die Einzel- und Mannschaftstitel der DGL wohl zweifellos am aussagekräftigsten.

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