„Einmal Shidokan, immer Shidokan!“

„Einmal Shidokan, immer Shidokan!“

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Purebred Goods
Von Kristin Handel

Als ich Anfag August von meinem Shihan die Nachricht „Du hast eine Gegnerin in Japan!“ bekam, konnte ich es gar nicht fassen. Es war nie leicht eine Gegnerin für mich zu finden und jetzt sollte ich nicht nur in das Heimatland des Shidokan reisen, sondern auch die unfassbare Ehre erhalten dort in den Ring steigen zu dürfen. Sofort war klar, dass jede freie Minute dem Training gewidmet wird. Die 3 Monate Vorbereitung vergingen wie im Flug und meine Jungs zeigten mir täglich aufs Neue, dass ich mit den Besten trainiere und es keinen Frauen-Bonus gibt.

Trainiere im German Top Team

Als es ans Kofferpacken ging, packte ich auch eine gehörige Portion Nervosität und Angst ein. Nach nur 3 Jahren im Kampfsport sollte ich nun auf dem wohl größten und härtesten Bareknuckle-Turnier kämpfen. In Japan. Vor den Augen des Kanchos! Dank der Zusprüche meines Teams und langen Gesprächen mit meinem Shihan, bekam ich meinen Kopf aber unter Kontrolle. Und der Wille war ohnehin da. Begleitet von Bruno Rico, dem Ehrenpräsidenten von Shidokan Germany, und Peter Angerer, trat ich die lange Reise ins Land der aufgehenden Sonne an. Es erwartete uns eine Zeit, die wohl keiner von uns je wieder vergessen wird.

Als wir am Sonntag in der Wettkampfhalle eintrafen, stand ich noch ziemlich neben mir. Ich konnte nicht glauben, dass ich wirklich hier war. Dort, wo Persönlichkeiten wie Kenichi Sato, Shihan Eddie Yoshimura und vor allem Kancho Yoshiji Soeno einfach so an einem vorbeispazieren und ein kleines Schwätzchen mit dir halten. Wow! Dan-Träger so weit das Auge reichte. Und mitten drin: Ich. Das war schon sehr beeindruckend und ich war froh, dass ich erst im Abendprogramm kämpfte und somit einige Stunden Zeit hatte, mich an die Umgebung zu gewöhnen und mich vorerst ausschließlich auf meinen Shihan und seine Kämpfe zu konzentrieren. Dank Peters Zuspruch, seiner großartigen Leistung und seinem überraschenden Ausscheiden im Halbfinale, wollte ich unbedingt den Sieg holen und ihn stolz machen. Von da an konnte ich es kaum mehr abwarten endlich selbst in den Ring zu steigen.

Um vier Uhr Nachmittags war es dann endlich soweit. Ich stand im Ring. Mitten in Tokio. Mir gegenüber Paty Schintgen aus Chicago. Ich war wach und konzentriert, konnte mich 100%-ig auf meine Ecke verlassen und alle Anweisungen umsetzen. Ich hatte kein Zeitgefühl und arbeitete einfach so wie es mir zuvor eingebläut wurde. So kam es mir vor als verging die erste Runde rasend schnell. Während wir auf das Urteil der Kampfrichter warteten, blieb ich konzentriert, holte Luft und stellte mich auf eine Verlängerung ein. Doch dann das Urteil; alle 5 Kampfrichter sahen mich nach Runde 1 als Siegerin. Wir grüßten ab und ich ging in meine Ecke wo mich Peter freudestrahlend erwartete und mich aufforderte den Ring zu verlassen; „wir haben das Ding!“ waren seine Worte, doch ich konnte das nicht glauben; folgte ihm benommen vom Ring runter und wurde dann von meinen Gefühlen übermannt.
Auch heute, 5 Tage danach, habe ich die gesammelte Erfahrung, gekrönt von diesem Erfolg, noch nicht realisiert. Doch eines ist mir deutlich klar geworden: einmal Shidokan, immer Shidokan.

An dieser Stelle möchte ich mich noch bei meinen Trainern Thorsten Kronz und Peter Angerer bedanken. Ihr habt es ganz und gar nicht immer leicht mit mir und dennoch gebt ihr mir stets das Gefühl, dass ihr an mich glaubt. Peter, ich finde keine Worte die angemessen beschreiben könnten, wie dankbar ich dir dafür bin, dass du mir dies alles überhaupt ermöglicht hast! Danke auch nochmals an Bruno und das gesamte GTT für die Unterstützung und die Vorbereitung sowie an meine neugewonnen japanischen Freunde für die Gastfreundschaft und die wunderbare Zeit in eurem Land. Wir sehen uns nächstes Jahr.

OSU!

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