Ein Ninja in Tokio II: Trainingstagebuch

Ein Ninja in Tokio II: Trainingstagebuch

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Purebred Goods

Wie wir bereits berichtet haben, hat sich Shooto Vize-Europameister Brian Gensicke vom German Top Team nach Japan aufgemacht, um mit einigen Legenden des Shooto in Japan zu trainieren. Masakatsu Ueda, Noboru Asahi und Yuki Nakai… Diese Liste liest sich wie ein „Who is who“ der japanischen Shooto und Vale Tudo Geschichte und das sind die Namen derer, mit denen unser 16jähriger Jungspund zwei Wochen lang trainierte. Brian hat uns heute sein Trainingstagebuch zukommen lassen und wir veröffentlichen mit Freude die Eindrücke, die er bei seinem Aufenthalt in Japan gewonnen hat (inklusive Rechtschreibfehler)…

Trainiere im German Top Team

Bildergalerie von Brian Gensicke auf Facebook

Schon seit ich mit Kampfsport angefangen habe, faszinierte mich Japan und seine Kultur. Die wahre Ehre der Samurai, die Musik, das Essen, und eben auch die Mentalität und das Knowledge der Kämpfer. Deswegen habe ich meinen so ziemlichen Lieblingskämpfer Masakatsu Ueda-san und Noboru Asahi-san angeschrieben, und flog dann auch schon von Frankfurt über Dubai nach Narita, Tokyo.
Tag 1: (11.August)

Heute war mein erster Trainingstag in Tokyo und gegen Nachmittag trafen ich und der Shooto Champion Masakatsu Ueda-san uns vor meinem Hotel und wir fuhren auf Ueda-san’s Motorbike ins Paraestra. Ich war wirklich erstaunt als ich zum ersten mal ins Paraestra kam. Das Paraestra Tokyo unter der Leitung von Kampfsport-Gott Yuki Nakai-san ist ein kleiner Raum im Keller eines Gebäudes ohne Duschen, an die Matten an den Wänden wurden andere Matten angelehnt, damit sie nicht runterfallen, etc. Umso Unglaublicher ist es dann, wenn nach und nach die Top-Kampfsportler dieser Welt ganz gelassen hereinspaziert kommen.
Nach und nach füllte sich der kleine Raum, und wir fingen mit dem Training an. Als erstes gab es Schattenboxen zum aufwärmen, gefolgt von lockeren Kickboxsparring. Zum Abschluss stand Rollen auf dem Programm. Man merkt hier gleich, dass sie von einem Gott trainiert werden. Jede Submission von mir wurde schon gesehen, bevor ich sie überhaupt vorbereitet hatte. Gerade bei Ueda-san kam ich mir vor, wie beim ersten Grapplings-training. Nach 2 Stunden Training auf Topniveau war das Training beendet, und so machten Ueda-san, Minoru Takeuchi-san und ich uns auf den Weg um noch etwas essen zu gehen, aber das sollte in Zukunft wohl nicht erwähnt werden.

Tag 2: (13.August)

Heute wurde mein Kommen im A-PoP TokyoYellowmans unter der Leitung vom früheren Shooto Champion Noboru Asahi-san erwartet. Als ich ankam sah ich eine ebenfalls kleine Trainingsschmiede, die auch wie das Paraestra voller Schriften an den Wänden ist. Nungut, Asahi-san, und einer seiner Schüler liefen uns zum aufwärmen erstmal locker ein. Dannach rollten wir ein paar Runden, wobei immer einer von uns draussen war. Als die Submissions dazukamen, konnte ich Asahi-san’s Schüler sogar mit einer Triangle finishen, bei Asahi-san war ich jedoch noch weit davon entfernt. Als dann immer mehr Schüler dazukamen, wechselten wir vom rollen zum Schattenboxen und dann anschliessendem „lockeres“ Boxsparring (Offiziell hieß es zwar locker, aber mir kam es eher vor wie ein Open-class Wettkampf, und da machte es einer von Asahi’s Schülern, der zufällig eine menschliche Abrissbirne mit der Postur eines Stahlgebäudes ist, nicht einfacher). Nach dem Boxsparring gingen wir dann zum Shootosparring (mit Groundandpound) über. Am Boden wurde ich mit meiner Guardpull-strategie nicht belohnt, da jeder von ihnen eine gute Postur hat. Umdenken war angesagt, und so schaffte ich es dann auch zweimal zu finishen (Mata Leao und Triangle). Nach 5 Stunden Training merkte man den Japanern das Training nicht wirklich an. Für mich eigentlich auch nichts aussergewöhnliches, aber die konstanten 36 Grad liessen einen doch Schwitzen.

Tag 3: (14.August)

Heute war ich wieder im Paraestra Tokyo und eigentlich war es wie am ersten Tag, Schattenboxen gefolgt von Sparring und dann Rollen. Nur Heute waren viel mehr Leute da (ca. 25), und das auf geschätzte 12 Quadratmeter. Kicken im Sparring war also uncool. Nach 3 Stunden (gefühlten 20 Minuten) war das Training auch schon zuende, und ich machte mich wieder auf in mein Hotel. Was ich heute aus dem Training mitnehmen werde ist, dass ich zu leichtsinnig mit meiner Verteidigung im Stand umgehe, also bekam ich gezeigt wie man „Paddelt“ und einen Frontkick verteidigt.

Tag 4: (15.August)

Da bis morgen das Paraestra wegen einem Buddhistischen Feiertag „eigentlich“ geschlossen ist, gab es wieder Freies Training. Da habe ich diesmal meinen Gi mitgenommen, und versuchte mich heute nur im BJJ und Grappling. Also erstmal gedehnt und dann losgerollt. Heute bin ich wirklich stolz auf mich selbst, da ich nur dreimal gefinished wurde, aber selbst einmal einen Braungurt (von Yuki Nakai-san!) tappen konnte.

Tag 5: (16.August)

Heute war das Paraestra wieder offiziell aus der Sommerpause zurück und Yuki Nakai-san war auch schon in der Akademie als ich ankam. Ja, Yuki Nakai-san! Mit diesem Mann in einem Raum stehen zu dürfen ist eine Ehre! Yuki Nakai-san ist ein Gott, und wer Nakai-san nicht kennt, sollte sich mal ganz schnell informieren! Ich mein‘ der einzigste Grund warum jeder über Chuck Norris Witze macht anstatt über Yuki Nakai, ist, dass Yuki Nakai kein Witz ist. Naja auf jedenfall, sind wir 2 Würfe im BJJ durchgegangen und sind auch gleich zum Rollen übergegangen. Heute hab ich zum ersten mal mit den Beinhebeln (speziell der Ankle Lock) wohlgefühlt, Beinhebel werden nun hoffentlich mein neues Ich. Bis jetzt bestand 90% meines Trainings hier in Japan aus Rollen und Sparring, da freut man sich doch, dass man es aus dem eigenen Team gewohnt ist.

Tag 6: (17.August)

Was heute auf dem Programm stand, war schon zu erwarten: Rollen und Sparring. Und das, was das Paraestra wohl auszeichnet, ist die Spontanität. Hier macht jeder was er will, und jeder kommt und geht wie es ihm passt. Hier kann jeder ausprobieren was er mal gesehen hat, oder sich selbst ausgedacht hat. Ich persönlich finde das Konzept gut, da man zum einen ein besseres Gefühl für sein bisheriges Repoirtoire bekommen kann, oder neue Techniken in einer Kampfsimulation austüfteln und verfeinern kann.

Tag 7: (20.August)

Heute war das letzte Training eines unbeschreiblichen Trainingaufenthalts hier in Japan! Da wir heute nur, wie der Zufall so will, gesparrt und gerollt haben, möchte ich noch was zum Aufenthalt allgemein „sagen“:

Wir haben zwar (fast) nur gerollt und gesparrt, aber ich habe mehr gelernt, als ich es auf jedem Seminar könnte. Ich hab Erfahrung dazugewonnen und die ein oder andere Lektion gelernt, habe gesehen wie die Champions dieser Welt trainieren, und habe das gesehen, was es in Deutschland nur im Shooto gibt: Kämpfer die sich nicht für halbnackte Ringgirls, ihr Image oder irgendwelche Statistiken interessieren, sondern einfach ihren Traum leben wollen. Allein dafür, lohnt sich jeder Weg, und jede Reise.

United Fightwear

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