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Shooto Germany – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Teil 1

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Purebred Goods
von Peter Angerer

Vergangenheit

Als mir Martijn deJong im März 2010 angeboten hat, das Shooto in Deutschland aufzubauen und zu etablieren, war ich sprachlos. Schon seit mehr als 10 Jahren war ich ein riesen Fan von der Promotion, da mir das technische Niveau und die strikten Regulierungen sehr gefallen haben. Vor allem aber der Fakt, dass Shooto seit jeher darauf achtet, dass Kämpfer über ein Amateurlager langsam und bedacht zu Profikämpfern aufgebaut werden, hat mir schon immer sehr geschmeckt. Ich selbst hatte nie diese Möglichkeiten und ich sah darin das größte Defizit der „Mixed Martial Arts“ weltweit.

Trainiere im German Top Team

Ein Blick auf die deutsche Eventkultur lies schnell erkennen, dass hierzulande wirklich jeder einen Profikampf im MMA bestreiten konnte. Man fragte nicht lang nach Background, Erfolgen etc. Es reichte, dass die Protagonisten gewillt waren, sich nach Profiregelwerk vor Zuschauern so richtig schön an den Kopf zu hauen. Das Niveau der Kämpfe und der Veranstaltungen war dementsprechend und mit Sicherheit nicht repräsentativ im Vergleich zu den führenden Organisationen in Europa, den USA und Asien.

Martijn deJong gab mir die Chance, das in Deutschland besser zu machen. Mit Struktur, klarem Regelwerk und genauen Vorschriften. Warum das Rad neu erfinden? Shooto hatte in Japan annähernd an die 30 Jahre Erfahrung mit dem Aufbau der Liga im Amateur- und Profibereich. Diese Erfahrung machte ich mir zu Nutzen und startete sofort mit der Planung der ersten Amateurevents.

Zwei Ziele waren mir von Anfang an klar, als ich das Shooto in Deutschland etablieren wollte: 1. Brauchten wir eine fähige Kommission, welche den sportlichen Bereich des Shooto überwachte und leitete. 2. Eine starke und gut strukturierte Amateurveranstaltungsserie, aus welcher die zukünftigen Profikämpfer in Deutschland hervorgehen sollten.

Die Schaffung der Kommission war die wohl schwierigste Aufgabe, vor der ich gestanden bin. Wer war in der Lage, organisatorisch und vor allem vom Fachwissen her einer solchen Kommission vorzustehen und diese aufzubauen? Meine Wahl fiel damals auf meinen ehemaligen Schüler Philipp Krebs, der sich dieser Aufgabe auch sofort stellte und loslegte. Das war im Nachhinein gesehen die wohl beste Entscheidung, welche ich im Shooto für Deutschland jemals getroffen habe. Philipp Krebs hat meine Erwartungen an sein Schaffen und seine Fähigkeiten nicht nur erfüllt, sondern oft bei Weitem übertroffen. Er schaffte es binnen kürzester Zeit eine fähige und zuverlässige Truppe an Kampf- und Punktrichtern nicht nur zu schulen und einzusetzen, sondern diese auch beständig auszubauen. So traf uns sein berufsbedingter Weggang von der Kommission sehr hart, doch mit seinem Zögling Kristin Angerer hatte er in den vergangenen Jahren eine starke Nachfolgerin aufgebaut, welche nun in seine Fußstapfen tritt.  Mit Mikael Heydari, dem Präsidenten von ADCC Germany, kam dann vor wenigen Jahren noch ein weiterer „starker“ Mann zur Kommission dazu. Die Kommission erfüllte die ihr gestellten Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit aller Sportler und man etablierte das Shooto Regelwerk und die Amateurserie „Contenders“ mit durchschlagendem Erfolg.

In den vergangenen 7 Jahren hat Shooto Germany an die 30 Amateurveranstaltungen ausgerichtet. Alle Kämpfe wurden in einer echten Rangliste anhand von einem Punkteschlüssel objektiv und fair gewertet und erstmals in Deutschland hatte man einen echten Gradmesser für die sportliche Leistung von Profi- und Amateurkämpfern. Zeitgleich wurden alle Ergebnisse jeweils nach Holland und Japan weitergeleitet. Deutschland begann sich auf der Landkarte des Shooto weltweit zu etablieren.

2012 wurde die Ausrichtung der jährlichen Amateur Europameisterschaften an Shooto Germany vergeben und unter der Aufsicht von Rafles La Rose (Europäische Shooto Kommission) und Martijn de Jong (Präsident Shooto Europe) wurde eine extrem stark besetzte und erfolgreiche Europameisterschaft in Aschaffenburg abgehalten. Über 70 Athleten aus 10 europäischen Ländern waren bei diesem Wettkampf angetreten!

Und mittlerweile konnten auch die deutschen Shooter Erfolge bei nationalen und internationalen Wettkämpfen für sich verbuchen. Die Saat war aufgegangen! Die deutschen Meister im Shooto der Amateure wechselten in das Profilager und bewiesen bei Kämpfen in den Top Promotions in Deutschland, dass sie ihr Handwerk ordentlich gelernt hatten. Eines der herausragenden Beispiele hierfür ist mit Sicherheit Stefan Hoss, der nach 19 Amateurkämpfen in das Profilager wechselte und binnen neun Monaten die Profititel bei „No Compromises FC“, „Respect FC“ und „Shooto Germany“ gewinnen konnte. Aber auch weitere Deutsche Amateur Meister, wie z.B. Tomislav Iverac, Tobias Huber, Sami Aita, Fabian Ultes und Sascha Massafra sind Belege für die außerordentlich gute Arbeit von Shooto Germany im Amateurbereich. Hier lernten die Champions von Heute das Kämpfen!

Blickt man alleine auf die Amateurebene des Shooto in Deutschland, dann darf ich nicht ohne Stolz feststellen, dass wir in den letzten 7 Jahren mehrere hundert Amateurkämpfe veranstaltet, beaufsichtigt und geleitet haben. Wir haben Punkt- und Kampfrichter ausgebildet, welche zum Großteil über mehrere hundert Kämpfe Erfahrung haben damit wohl einzigartig in Deutschland sind. Wir haben zahlreiche Sportler von den ersten Kämpfen als Amateur bis hin zu Titelkämpfen bei den Profis begleitet.

Mittlerweile haben wir die Europameisterschaften der Amateure im Shooto vier Mal ausgetragen. 2012, 2015, 2016 und 2017 fand das wohl wichtigste europäische Turnier auf deutschem Boden statt und brachte zahlreiche Sportler aus ganz Europa in unser Land. Zuletzt waren im vergangenen Jahr auch offizielle Vertreter der „International Shooto Commission“ aus Japan vor Ort, haben Kampf- und Punktrichter ausgebildet, zertifiziert und die Kämpfe überwacht. Die Zufriedenheit der ISC mit der Arbeit in Deutschland zeigt sich alleine daran, dass 2016 erstmals deutsche Amateur Shooter bei den jährlichen „All Japan Shooto Amateur Championships“ starten durften. Ein historischer Anlass! Sensationell ist das Abschneiden des Deutschen Amateur Shooto Champions Markus Held (German Top Team) bei den diesjährigen Meisterschaften in Japan, wo er sich mit drei Siegen über japanische Top Shooter in das Finale kämpfte und Silber bei dem wohl wichtigsten Shooto Turnier der Welt holte.

Nicht zuletzt durch die Premium Event Serie „SHOOTO KINGS“ haben seit 2014 nun auch die Profi Shooter in Deutschland eine repräsentative Bühne und Plattform erhalten. Die Brücke zwischen Japan und Deutschland wird immer stärker und mittlerweile konnten über diese Zusammenarbeit auch schon deutsche Profikämpfer bei Top Promotions in Japan antreten oder stehen in Verhandlungen hierzu.

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