Start GAMMAF / M1 Germany Sanktionen nach Massenschlägerei

Sanktionen nach Massenschlägerei

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Von Peter Angerer

Rund eine Woche nach den Vorfällen bei den Deutschen Amateurmeisterschaften der GAMMAF e.V. In Berlin sind nach wie vor mehr Fragen offen, als beantwortet und es wurden noch viele neue Fragen aufgeworfen. Dies liegt zum Teil natürlich an dem Verhalten und den Maßnahmen der Tätern, um mit Verwirrung und Fehlinformationen dafür zu sorgen, der Strafverfolgung zu entgehen und weitestgehend anonym zu bleiben, zum Anderen liegt es aber auch an dem inkonsequenten Auftreten und Handeln vor, während und nach des Vorfalls und am „Krisenmanagement“ der GAMMAF und der eingesetzten Kampfrichterkommission unter Leitung von Jörg Lothmann im Nachgang.

Trainiere im German Top Team

Im Kampf zwischen Zaman Amiri (TM Göttingen) und Movsar Isaev (Team Berkut?) kam es zu Unregelmäßigkeiten durch einen Augenstich von Zaman Amiri, woraufhin der Kampf korrekterweise abgebrochen und Amiri disqualifiziert wurde. Der Benachteiligte Isaev ging nach dem Aufstehen Amiri hinterher und schlug mit der linken Faust von hinten seitlich an den Kopf von Amiri. Er wurde vom Kampfleiter sofort festgehalten und weggezogen, ging zurück in seine Ecke und stürmte dann wieder los in die gegnerische Ecke, wo er versuchte mit einem Tritt durch die Ringseile einen Betreuer von Amiri zu treffen. Ein Pulk von ca 50 Personen, der sich aus Angehörigen verschiedener Teams und „Zuschauern“ zusammensetzte stürmte nun in die Ecke der gegnerischen Mannschaft und schlug die drei Betreuer des TM Göttingen auf äußerst brutale und rücksichtslose Weise zusammen. Die uns zugespielten Videos zeigen Szenen einer regelrechten Menschenjagd durch einen extremst aggressiven und zu allem bereiten Mob.

Was zeigen die uns vorliegenden Videos in Hinblick auf die Verursacher dieses widerlichen Zwischenfalls?

  1. Isaev, welcher angeblich für ein Team Berkut am Start war, welches es unserer Recherche zumindest in Deutschland nicht gibt, wurde von Betreuern des Teams „Gladiator Dresden“ betreut. Der Hauptbetreuer, welcher zwischen den Runden den Ring betrat war anhand des Mannschaftsshirts eindeutig als Mitglied dieser Mannschaft auszumachen. Ein weiterer Betreuer in der Ecke des Sportlers wurde am Ring ebenfalls mit Mannschaftsshirt der „Gladiator Dresden“ auf den Videos gezeigt.
  2. Der anscheinend mitgereiste Team- und Fan-Pulk des Isaev trug zum größten Teil T-Shirts mit dem Aufdruck „Regime 95“, einer Hamburger „Mannschaft“.
  3. Schon vor der Ausschreitung positionieren sich Mitglieder der „Gladiator Dresden“ und „Regime 95“ in Nähe der gegnerischen Ecke, stehen zum Teil sogar in der Ecke am Ring und verlassen diesen ausschließlich für die Betreuer des Kämpfers gedachten Bereichs nach Aufforderung der Betreuer nicht. Es wird also schon vor den Ausschreitungen ganz klar Position in der gegnerischen Ecke bezogen, diese behindert und subtil Druck aufgebaut.
  4. Schon vor den Ausschreitungen war man sehr damit beschäftigt, den Pulk, der sich aus Angehörigen dieser beiden Teams zusammensetzte, in Schach zu halten und zu beruhigen. Es war offensichtlich, dass eine Eskalation jederzeit möglich war und unmittelbar bevorstand.
  5. Als der Mob losstürmt und die tätlichen Angriffe von Isaev auf die gegnerische Ecke als „Startschuss“ wahrnimmt, hat die Ecke des TM Göttingen eigentlich gar keine Chance mehr, da sie ja quasi schon eingezingelt sind. Alle drei Betreuer werden von einer großen Überzahl an Angreifern, unter welchen auch weitere Teilnehmer des Wettkampfes sind (deren Teamzugehörigkeit nicht bekannt ist) zusammengeschlagen, am Boden liegend getreten und sprichwörtlich „fertig“ gemacht. Dass hier die Geschädigten nicht schwer oder gar tödlich verletzt wurden liegt mit Sicherheit zum Einen an der robusten Physis und der Kampfsporterfahrung der Geschädigten, und zum Anderen am beherzten füreinander Einstehen der Geschädigten während der Ausschreitungen.

Nach Sichtung der Videos, Gesprächen mit den Geschädigten und weiteren schriftlicher Aussagen von Zeugen sollte damit doch der Fall klar. Ist er aber nicht, da sich im Zuge der Recherche zahlreiche Fragen aufgetan haben, ohne deren Beantwortung eine abschließende Beurteilung nicht möglich ist.  Diese Fragen, welche nur von weiteren Augenzeugen, Verantwortlichen der Mannschaften „Gladiator Dresden“ und „Regime 95“, der GAMMAF und den eingesetzten Offiziellen (Ringarzt, Kampfgericht) beantwortet werden können, wären insbesondere:

  1. Warum tritt das Team „Gladiator Dresden“ gemeinsam mit dem Team „Regime 95“ derart eng verknüpft in der Öffentlichkeit bei einem nationalen Wettkampf auf, so dass der Eindruck einer Zusammengehörigkeit auch außerhalb den Geschehnissen bei besagtem Kampf bei Außenstehenden entsteht? Vor allem ist relevant, warum der Kämpfer aus Hamburg von einem offensichtlich nicht existenten „Team Berkut“/einem existenten Team „Regime 95“ durch Betreuer des Teams „Gladiator Dresden“ betreut wird?
  2. Warum wurde durch die Offiziellen nicht unterbunden, dass die Ecke des TM Göttingen durch Anhänger der beiden Mannschaften belagert und behindert wurde?
  3. Warum wurde der Kampf anhand der aufgeheizten Stimmung des Pulks nicht unterbrochen? Das geringste Mittel wäre gewesen, den Kampf zu pausieren, bis sich die Menge beruhigt hätte oder aus der Halle verwiesen worden wäre und diese verlassen hätte. Gekannt hat man sich ja augenscheinlich sehr gut.
  4. Warum wurde von der Ecke des Isaev, also von Seiten der „Gladiator Dresden“, nicht auf den Pulk und den Kämpfer Isaev daraufgehend eingewirkt, dass sich die Situation entspannt?
  5. Von wem wurde die Polizei bei den Ausschreitungen nachweislich gerufen?
  6. Wie wurden die Geschädigten des TM Göttingen durch den Veranstalter und die Offiziellen geschützt und bis zum Eintreffen der Rettungsanitäter medizinisch versorgt?
  7. Welche Maßnahmen wurden durch den Veranstalter GAMMAF vor Ort getroffen, um weitere Ausschreitungen zu verhindern?
  8. Es beteiligten sich auch weitere Sportler an den gefährlichen Körperverletzungen. Diese wurden auf Video identifiziert. Was hat der Veranstalter und die Offiziellen vor Ort gegen diese Sportler unternommen?
  9. Warum wurde die Veranstaltung nach diesem Vorfall nicht beendet, während die Geschädigten auf das Eintreffen der Polizei und den Rettungsdienst warteten?
  10. Warum wird von der GAMMAF erst Tage nach dem Vorfall, nach dem Bericht hier auf Kakutogi, ein Statement auf deren Facebook Seite gegeben?
  11. Warum wird von dem Kampfgericht in deren offiziellen Entscheidung zu den Sanktionen ein falsches Team für Isaev genannt? Inwieweit ist dieses gesamte Team und die beteiligten Personen dem GAMMAF Vorstand, zu welchem auch der Trainer der „Gladiator Dresden“ gehört, bekannt?
  12. Warum wurde von dem Veranstalter ein offensichtlich in Berlin bekannter Pulk von aggressiven Leuten  (Veranstaltung von Trigoon in Berlin) überhaupt zur Veranstaltung eingelassen?
  13. Wie ist es zu erklären, dass Pool Listen mit den Namen der Kämpfer, welche ausgehängt waren, nach dem Vorfall vor Eintreffen der Polizei verschwinden?
  14. Gibt es eine Namensliste aller anwesenden Sportler, Offiziellen und Zuschauer aus diesen Teams?
  15. Stimmt es, das der Vorsitzende des Kampfgerichtswesens der GAMMAF Jörg Lothmann nach den Vorfällen den Täterpulk via Mikrofondurchsage mit den Worten adressiert hat: „Euer Junge hat alles richtig gemacht!“?

Ohne eine ausführliche Beantwortung dieser Fragen ist kein abschließendes Urteil der Sportkommission mit klaren Schuldzuweisungen möglich. Aus diesem Grund wird bis zur vollständigen Aufklärung aller Sachverhalte zum Schutz unserer Sportler, Veranstalter, Offiziellen und den anwesenden Zuschauern folgendes entschieden:

  • Alle Mitglieder (aktiv, passiv, ehemalig oder gegenwärtig) der Mannschaften/Gruppierungen „Gladiator Dresden“, „Regime 95“ oder auch „Team Berkut“ haben mit sofortiger Wirkung ein absolutes Hausverbot bei allen Veranstaltungen der Verbände „Shooto Germany“, „ADCC Germany“ und „Shidokan Germany“, sowie auf allen Veranstaltungen und Trainingsmaßnahmen des German Top Team Reutlingen. Hausverbot wird den „Mannschaften“ soweit möglich schriftlich mitgeteilt.
  • Alle Mitglieder dieser Mannschaften/Gruppierungen dürfen keinerlei Veranstaltungen der o.a. Verbände/Unternehmen besuchen oder sich auf den öffentlichen Parkplätzen der Veranstaltungsräumlichkeiten aufhalten.
  • Alle Mitglieder dieser Mannschaften/Gruppierungen dürfen nicht Mitglied der o.a. Verbände werden oder die Mitgliedschaft hierzu beantragen.
  • Ausrichter der o.a. Verbände dürfen Mitglieder dieser Mannschaften/Gruppierungen nicht zu Wettkämpfen zulassen oder ihnen Zutritt gewähren.

Abschließend wäre es jetzt natürlich noch interessant zu erfahren, warum eine derart pauschale „Stellungnahme“ von Seiten der GAMMAF verfasst wird und warum in der offiziellen Stellungnahme des Kampfgerichts/Kommission falsche Teamnamen benutzt werden, bzw. andere Sportler, welche sich ebenfalls an den Gewalttaten beteiligten, gar nicht erst genannt werden, geschweige denn mit Sanktionen belegt werden?!

 

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