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Die Shooto Euro aus der Sicht des GTT

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Brian GensickeDie erfolgreichste deutsche Shooto Schule schickte am vergangenen Samstag fünf Kämpfer in den Ring bei den 12. Shooto Europameisterschaften. Mit einer Gold- und einer Silbermedaille, sowie einem vorzeitigen Sieg im einzigen Profikampf des Abends schneidet das German Top Team von Peter Angerer überaus erfolgreich ab und untermauert seine Vormachtstellung im Shooto hierzulande. Cheftrainer Peter Angerer lässt die vergangene Euro revue passieren und schildert die Leistungen der Reutlinger Kämpfer aus seiner Sicht.

„Die Shooto Europameisterschaften fanden erstmals in Deutschland statt und es war klar, dass das German Top Team dieses Event schon monatelang vorher im Trainingsfokus hatte. Wir hatten zwar nur fünf Kämpfer am Start, aber anhand der langen Vorbereitung wusste ich genau, wer wie fit ist und was realistisch zu holen ist. Zeitgleich hatten wir auch die Vorbereitungen für die DGL mit unserem Team zu bewältigen und nur vier Wochen vorher stand Benjamin Nüßle ja auch bei Superior FC im Ring. Wettkämpfe in Babenhausen und der Schweiz haben dann ein übriges dazu getan, dass es unseren Kämpfern gar nicht erst langweilig werden konnte.

Trainiere im German Top Team

Marco Sobkiw startete im Weltergewicht und ich wusste, dass er enorm schlagstark ist. Sein Boden machte uns noch ziemlich Kopfzerbrechen, aber wir haben in den letzten Monaten sehr stark daran gearbeitet und gingen zuversichtlich in den Kampf. Marco zeigte von Anfang an, dass er zum Kämpfen gekommen war. Dass er im ersten Kampf gleich gegen den späteren Europameister ran musste war natürlich nicht gerade glücklich, aber wir wussten, dass er um zu gewinnen jeden schlagen können muss. Marco hat dann in der ersten Runde auch gleich einen wahren Schlaghagel auf den Schweizer losgelassen und auch gute Wirkung erzielt. Der brachte den Kampf dann doch noch zu Boden und konnte Marco finalisieren, doch ich bin mit Marcos Leistung mehr als zufrieden. Nach nicht einmal einem Jahr Training im Shooto hat er gezeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist und wir werden weiter am Bodenkampf arbeiten. Nächstes Jahr wird es mit Sicherheit anders laufen.

Thiemo Nass hat uns im Schwergewicht -100 kg vertreten und bei Thiemo war ich mir relativ sicher, dass er das Finale erreichen wird. Er hat nicht nur eine starke Physis, sondern hat sich auch im technischen Bereich in den letzten Monaten erheblich verbessert. Im Kampf gegen den Griechen hat er ja auch gleich richtig Gas gegeben, am Boden eine Submission angesetzt, aber als die dann nicht funzte, war irgendwie total der Wurm drin. Der Grieche holte sich den Rücken und tappte unseren Thiemo kurzerhand ab. Bähm! Das hat gesessen. Aber so ist es, wenn man in einem Turnier mit derartigem Niveau der Kämpfer antritt. Thiemo war sichtlich enttäuscht über seine Performance aber ich denke, dass er bei den nächsten Kämpfen wieder zeigen kann, dass er zu Recht die Nr. 1 in Deutschland bei den Amateuren ist. Nach dem Kampf ist immer vor dem Kampf!

Unser „Wunderkind“ Brian Gensicke tat an diesem Tag seinem Namen mal wieder alle Ehre und zeigte mit seinen gerade mal 16 Jahren eine unglaubliche Leistung. Wenn man dann noch bedenkt, dass Brian noch nicht einmal ein Jahr bei uns trainiert, dann wird es fast schon unheimlich. Seinen Halbfinalsgegner aus der Schweiz konnte er nach Punkten schlagen, obwohl die Schweizer klare Favoriten in den meisten Gewichtsklassen waren. Sein Finalgegner aus der Schweiz profitierte dann einfach nur von Brians Kampftaktik von unten aus der Guard oder Halfguard auf Submission zu arbeiten. Er kassierte jeweils den Punkt für die Top Position und machte ansonsten nichts außer einen Kampf zu verhindern. Festhalten und die geschenkten Punkte retten waren die Devise des Schweizers, der mit dieser Taktik auch einen Punktesieg und den Europameistertitel für sich holen konnte. Ich war begeistert von Brians Kampfgeist. Der Junge hat wirklich sechs Minuten auf ein Finish hingearbeitet und alles gegeben. Mit einer Silbermedaille bei den stark besetzten Europameisterschaften kann sich Brian zwar zufrieden geben, aber es wäre doch noch mehr drin gewesen. Dann eben im nächsten Jahr…

Bei den Damen stand Kristin Handel nach langer Ringabstinenz in der Klasse +60 kg kampfbereit. Dann tagsüber gleich die erste Enttäuschung: ihre Gegnerin, die mit 68 kg sowieso in ihrer Klasse gewesen wäre, zog kurz vor dem Halbfinalskampf zurück und ging nach Hause. Soviel zum Thema… Die Finalgegnerin Madeleine Zehnter aus Aschaffenburg hatte da ganz andere Pläne. Sie war zwar deutlich leichter als Kristin, doch sie war auf jeden Fall zum kämpfen gekommen! Kristin hielt an der Taktik, die man im Training erarbeitet hatte zu 100% fest. Sie verhinderte gekonnt die Takedowns der Grapplerin und deckte sie im Stand mit guten Schlägen und Kniestößen ein. Mein Respekt geht an Madeleine, die zu keiner Sekunde den Kampf aufgegeben hat und immer hart und erbittert fightete. Die Zuschauer bekamen einen würdigen Finalkampf zu sehen, den Kristin ungefährdet nach Punkten gewinnen konnte. Damit ist unsere „Hanya“ die erste Goldmedaille, die unser Team bisher bei einer Shooto Europameisterschaft gewinnen konnte!

Am spannendsten hat es aber unser Benjamin Nüßle gemacht. Sein Kampf gegen Kristian Ozimec machte uns im Vorfeld ziemlich Kopfzerbrechen. Zum Einen, weil Benny nur vier Wochen vorher böse bei Superior FC verloren hatte und wir nicht wussten, wie er mental im Kampf beieinander sein würde. Zum Anderen, weil wir wussten, dass Johannes Wieth seinen Kämpfer auf jeden Fall perfekt einstellen würde. Wir erwarteten also eine Ringschlacht und die bekamen wir dann auch geliefert. Kristian holte sich zügig die Mountposition am Boden und dominierte Benny für recht lange, bevor im der Escape gelang. Trotzdem hatte Kristian die Runde besser im Griff und punktete mit Ground and Pound. Dann die Schocksekunde, als Benny beim Kick ausrutschte, voll auf Rücken und Hinterkopf fiel und benommen liegen blieb. Zwar hat der Referee Rafles La Rose (Holland) die Zeit stoppen lassen, aber man weiß ja nie, ob man noch so einem Ding wieder in den Kampf zurück kommt. Die Antwort kam in der zweiten Runde, als Benny wie ausgewechselt aufdrehte und den Kampf schnell am Boden unter Kontrolle bekam. Kurz darauf musste Kristian in der Kimura von Benny tappen und den Kampf aufgeben. Eine riesige Erleichterung machte sich beim ganzen Team bemerkbar und wir feierten den Sieg unseres „Oni“ gebührend. Damit hat Benny bewiesen, dass er zu Recht die Nr. 1 der B Klasse Kämpfer in Deutschland ist.

Ich möchte mich an dieser Stelle besonders bei Daniel Saric und Amin Aichele bedanken, die zwar verletzungsbedingt nicht selbst kämpfen konnten, aber das Team mit einem super coaching unterstützt haben. Ohne deren Hilfe wäre es mir nicht möglich gewesen, unsere Leute so gut zu coachen. Ich sehe den Erfolg unserer Kämpfer als Erfolg des ganzen Teams und bin überglücklich, dass ich einen derart tollen Haufen von Wahnsinnigen trainieren darf.“

Peter Angerer

Inhaber German Top Team
Präsident Shooto Germany

Foto: Valentino Kerkhof (www.facebook.com/SportMMA)

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