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Bericht zu „Contenders VI“

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Mein lieber Herr Gesangsverein! Was am Samstag in der German Top Team Akademie in Reutlingen geboten wurde, war schon eine Klasse für sich! Satte 28 Kämpfe gab es bei „Contenders VI“ zu sehen. Die Rockband „Bad Liver“ heizte den Fans ein, bis die Polizei kam. ADCC Brazilian Trials Gewinner Augusto Ferrari schaute vorbei und und und… Es ist klar: „Contenders“ ist DAS Amateurevent in Deutschland! Punkt! Und damit diejenigen, die am Samstag leider nicht dabei sein konnten, auch etwas davon haben, gibt es von uns noch kurz eine Nachbetrachtung der Ereignisse vom Samstag.

55 Kämpfer aus 20 Teams! Das ist schon wirklich beeindruckend, aber in erster Linie organisatorisch gesehen eine Unmenge Arbeit. Trotz dem Ansturm von Sportlern aus der Schweiz und Deutschland startete „Contenders“ wie gewohnt pünktlich auf die Minute. Die Kommission von Philipp Krebs hat mit diesem Kampfmarathon wieder einmal bewiesen, dass beim Shooto nicht gekleckert, sonder geklotzt wird. Durch die geschulten und erfahrenen Punkt- und Kampfrichter war ein geordneter und flüssiger Ablauf gewährleistet und es gab keine unnötigen Verzögerungen oder Pausen.

Trainiere im German Top Team

Gleich zu Beginn brachte „Bad Liver“ die Stimmung zum Kochen und man musste feststellen, dass die Newcomer Band aus Reutlingen ein goldener Glücksgriff war. Mit ihrer tollen Performance rissen die Jungs alle anwesenden Zuschauer und Sportler regelrecht von den Beinen und lieferten eine Qualität ab, die man sonst nur von „alten Hasen“ im Showbusiness kennt. Eines ist klar: die Musik von „Bad Liver“ passt zum Shooto, wie die Faust auf’s Auge und man denkt hier schon über eine weitere Zusammenarbeit nach.

Die Kämpfe boten von echten Brawls bis hin zu technisch filigranen Auseinandersetzungen alles, was das Herz begehrte. An dem Erfolg von Shooto kann wirklich niemand mehr zweifeln und die Akzeptanz bei den Teams und Schulen in ganz Deutschland ist enorm. Einige der Sportler kämpften dabei um weit mehr als nur um den Sieg, denn für einige Spitzenleute ging es um die Nominierung in die Deutsche Nationalmannschaft. Und genau diese Kämpfe wollen wir Euch an dieser Stelle nochmals etwas genauer schildern.

Der Münchner Sascha Richter ist im Halbschwergewicht -83 kg einfach eine Klasse für sich. Als Sieger der ADCC German Open liegen die Stärken von Richter klar auf der Hand. Der ungeschlagene Shooter wollte auch in seinem Kampf gegen Dominic Winkelmann (MMA Munich) nichts anbrennen lassen, doch Winkelmann zeigte sich enorm routiniert und gelassen im Stand. Winkelmann arbeitete mit guten Schlagkombinationen und Lowkicks und bereitete Richter mit Sicherheit mehr Probleme als erwartet. In Runde 2 jedoch gelang Richter der Takedown und der siegbringende Armbar und somit bleibt der Rekord von Richter auch weiterhin sauber. Mit vier Siegen, davon drei vorzeitig, ist Richter auf jeden Fall bei den kommenden Europameisterschaften für das Deutsche Nationalteam dabei.

Alexander Petrajitis vom Stallions Cage Stuttgart startete nur eine Woche nach der Sambo EM in Bulgarien nun auch beim Shooto. Der amtierende Deutsche Meister der Deutschen Grappling Liga ging hoch favorisiert in seinen Kampf gegen den Schweizer Markus Bürgi (Shidokan Aargovia), der Petrajitis allerdings mehr entgegenzusetzen hatte, als erwartet. Petrajitis musste gegen Bürgi über die vollen zwei Runden gehen, sicherte sich aber dank seiner guten Positionsarbeit einen klaren Punktesieg und empfahl sich somit im Superschwergewicht +100 kg für weitere Aufgaben im Shooto. Es wäre wünschenswert, den sympathischen Stuttgarter im Nationalteam zu wissen, um bei der Europameisterschaft in Holland auch in dieser Klasse eine starke Besetzung an den Start schicken zu können.

Ebenfalls im Superschwergewicht tat sich noch ein anderer Kämpfer hervor. Der Forchheimer Alexander Täubl (AC Bavaria Forchheim) zeigte sich hervorragend eingestellt, gegen den deutlich größeren Schweizer Sebastian Volkmar (Fight Gym Aarau). Schon in der ersten Runde trafen die Boxkombinationen von Täubl ihr Ziel und der Kampf musste noch in der ersten Runde wegen eines Nasenbeinbruchs bei Volkmar beendet werden. Somit ist auch Täubl ein klarer Kandidat für die Nationalmannschaft und er wäre bereit für größere Aufgaben.

Einer der wirklich herausragenden Kämpfer des Tages aber war der Tauberbischofsheimer Dimitri Stroh (Fighters Gym), ein Schüler von Profi Shooter Martin Vath. Nachdem Stroh im vergangenen Jahr nicht sonderlich erfolgreich war, hat er sein Training intensiviert und umgestellt und das bekamen am Samstag gleich zwei Gegner zu spüren. David Andres (Fight Club Radolfszell) unterlag Stroh in einem harten Match in der zweiten Runde durch Francesa und Stroh zeigte bereits in diesem Kampf eine enorme Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. In seinem zweiten Kampf stand er dem Münchner Sebastian Cescon (KS Gym) gegenüber und hier musste Stroh deutlicher an seine Grenzen gehen. Letztendlich sicherte ihm seine gute Positionsarbeit und vor allem seine kraftvollen Takedowns einen klaren Punktesieg gegen Cescon und Stroh katapultierte sich direkt auf Nr. 2 in der Deutschen Rangliste nach vorne. Mit dieser Vorstellung und in seiner derzeitigen Form hat sich Stroh das Ticket für Holland gesichert und wird auf jeden Fall für das Nationalteam starten.

Ein unglückliches Ende nahm der Kampf von Mehran Ranjkash (LAC Frankfurt) gegen Luca Jarrell (Fight Club Radolfszell). Ranjkash hatte im April das Shooto Turnier in Fürth gewinnen können und machte klar, dass er in das Nationalteam will. Sein Fight gegen Jarrell sollte hier Klarheit schaffen und dementsprechend hochmotiviert ging Ranjkash an den Kampf heran. Doch auch Jarrell war nicht nur zum „dabei sein“ gekommen und bot dem Frankfurter Paroli. In der zweiten Runde geschah dann etwas dummes, als Jarrell im Eifer des Gefechtes dem geworfenen Ranjkash in bester Chute-Boxe-Manier mit einem Soccerkick zum Kopf nachtrat. Ranjkash blieb benommen liegen und Kampfleiter Peter Angerer nahm den angeschlagenen Frankfurter aus dem Kampf. Jarrell wurde für diesen Regelverstoß, auch wenn dieser sicher nicht absichtlich geschah, disqualifiziert und für sechs Wochen von weiteren Shooto Kämpfen suspendiert. Die Durchsetzung des Regelwerks ist gerade zum Schutz der Sportler oberstes Gebot. Ranjkash rutschte durch diesen unglücklichen Sieg auf Platz 3 in der Rangliste hoch und wird mit Sicherheit für die Auswahl des Nationalkaders berücksichtigt.

Eine gehörige Portion Courage und Mut hat der Münchner Hoah van Thanh erneut bewiesen. Mit knapp 58 kg meldete er sich für die Kämpfe in der -65 kg Klasse an, da in seiner Gewichtsklasse mal wieder niemand am Start war. Die Ringschlacht, die er sich dann mit Marcel Kratze (Ludus Magnus Gym Merseburg) lieferte, riss die Zuschauer von den Plätzen. Zwar verlor van Thanh diesen Kampf nach Punkten, doch mit seinem Engagement und der gezeigten Leistung erhielt er noch im Ring die Zusage von Shooto Germany Präsident Peter Angerer, dass er auf jeden Fall mit nach Holland zur EM darf. In seiner Gewichtsklasse dürfte der Münchner für gehörigen Wirbel bei der EM sorgen. Kontinuität und Ehrgeiz zahlen sich immer aus!

Marco Wüst (MAA Mannheim) dominiert weiterhin das Cruisergewicht -91 kg. Der Mannheimer stellte sich Christoph Leiber (KSA Backnang) zu einem Re-Match. Im März hatte Wüst gegen Leiber in Aschaffenburg noch durch Submission verloren und er wollte diese Niederlage unbedingt wieder gerade rücken. In beeindruckender Form präsentierte sich Wüst mit einem klaren Konzept und einer aggressiven Kampfweise, die ihm in diesem Fight den klaren Punktesieg brachten. Als Nr. 1 bei den Amateuren in der Deutschen Rangliste wird Wüst auf jeden Fall für das Nationalteam aufgestellt und wird Deutschland bei den Europameisterschaften vertreten. In seiner derzeitigen Form darf man bei ihm auf ein gutes Ergebnis hoffen…

Daniel Saric (German Top Team), der aufgrund einer KO Sperre keinen Shooto Kampf absolvieren durfte, wollte bei „Contenders VI“ nicht als Zuschauer dabei sein. Die Gelegenheit zu einem Superfight im Grappling gegen den amtierenden Deutschen Meister der Deutschen Grappling Liga Ediz Bektas (Team Ferrari Jiu-Jitsu) packte er beim Schopf und stellte sich dem Grapplingspezialisten in seiner Paradedisziplin. Und er zeigte auch gleich, dass er keine Angst vor großen Namen hat. Er begann den Kampf nach kurzem Abtasten mit einem eingesprungenen Armhebel, den Bektas gut verteidigte, und ging sofort in einen Heelhook weiter. Auch hier zeigte sich die enorme Routine von Bektas, der von seinem Trainer Peter Schira und Augusto Ferrari betreut wurde. Er wehrte den Angriff ab und Saric setzte zu einem geraden Beinhebel um. Geduldig arbeitete sich Bektas aus diesem Angriff heraus und konnte kurz vor Ende der ersten Runde den Rücken von Saric holen. Hier lies er sich nicht mehr die Butter vom Brot stehlen und beendete den Kampf mit einer wunderschönen Mata Leao. Ein toller Sieg für Bektas, der gezeigt hat, warum er die momentane Nr. 1 in Deutschland im Grappling in seiner Gewichtsklasse ist. Doch Saric, der erst seit einem Jahr Grappling trainiert, zeigte, dass er ein enormes Talent und sich am Boden stark gesteigert hat.

Im Schwergewicht -100 kg fighteten gleich zwei Athleten vom German Top Team um das Ticket nach Holland. Thiemo Nass, der das Turnier in Fürth im April gewinnen konnte, stellte sich dem ADCC German Open Sieger Wesley Howard. Und Howard zeigte, dass mit ihm am Boden nicht zu spaßen ist. Nach einigen harten Schlagabtauschen brachte er Nass zu Boden und brachte aus dem Guard Pass heraus einen Kneebar an, der Nass zum Abklopfen zwang. Trotz dieser Niederlage bleibt Nass auf Nr. 1 in der Rangliste und wird somit auf jeden Fall in Holland kämpfen. Sein Teamkamerad Bastian Schäfer, der im Vorjahr bereits Bronze bei der Europameisterschaft holte, kämpfte erstmals wieder nach einer langen Verletzungspause im Shooto. Und dass er einiges aufholen will, zeigte er in seinem Kampf gegen Jens Friedrich (Dojo Bad Mergentheim) deutlich. Die beiden Schwergewicht legten ein enormes Tempo mit vielen offenen Schlagabtauschen im Stand hin. Mit Verlauf der Runde traf Schäfer immer öfter und Friedrich musste bereits angezählt werden. Gegen Ende der Runde klingelte Schäfer seinen Gegner nochmals an, der nach der ersten Runde nicht mehr zum zweiten Durchgang antreten konnte. Mit diesem TKO Sieg meldete sich Schäfer wieder im Geschehen des Shooto in Deutschland zurück und empfahl sich erneut für das Nationalteam.

Im Hauptkampf des Abends ging es für Amin Aichele (German Top Team) um die Festigung seiner Top Position in der Rangliste. Dennoch trat er erstmals im Weltergewicht -70 kg an, wo er auf den Forchheimer Caner Arap (AC Bavaria Forchheim) traf. Arap zeigte sich stark im Stand, doch es waren die Takedowns von Aichele, die den Kampf bestimmten. Insgesamt sieben Mal brachte Aichele den Forchheimer in zwei Runden zu Boden und sicherte sich mit einer tollen Vorstellung einen klaren und deutlichen Punktesieg. Damit hat auch Aichele das Ticket sicher nach Holland und wird die deutschen Farben bei der Europameisterschaft vertreten.

In wenigen Wochen wird Shooto Germany alle Athleten, die sich auf den vorderen Plätzen der Rangliste befinden und Mitglied bei Shooto Germany sind, zu einem Training des Nationalkaders nach Reutlingen einladen. In einigen Gewichtsklassen muss noch entschieden werden, wer im Zweifelsfall mit auf die Europameisterschaften nach Holland fährt. Ein intensives Training des Kaders wird hierbei in einigen Fällen Klarheit schaffen, wer es dieses Jahr in das Nationalteam schafft.

Abschließen kann man nur sagen, dass „Contenders“ rundum ein voller Erfolg war. Die Sportler zeigten sich von ihrer besten Seite, die Routiniers überzeugten auf ganzer Linie und auch ein paar neue Gesichter haben schon auf sich aufmerksam gemacht. Shooto is Ichiban!

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